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HIV-positiv: Stigmata im Praxisalltag

Eine Anzeige von Gilead Sciences

Wie kann HIV übertragen werden?

Ein Infektionsrisiko besteht, wenn infektiöse Körperflüssigkeiten mit Wunden oder Schleimhäuten in Berührung kommen. Wichtig dabei ist aber, dass es zur HIV-Übertragung eine gewisse Virusmenge braucht. Befindet sich eine Patientin in einer erfolgreichen Therapie, dann ist die sogenannte Viruslast unter der Nachweisgrenze, das heißt die Virusmenge ist so gering, dass eine Ansteckung nahezu unmöglich ist. Relevante Blutkontakte gibt es ja im normalen Alltag nicht. Da kann man sich also nicht infizieren – weder durch das Trinken aus demselben Glas, dem Essen mit demselben Besteck oder intensives Zungenküssen. Nur, wenn ein HIV-infizierter Mensch mit erhöhter Viruslast nicht behandelt ist, besteht Ansteckungsgefahr, zum Beispiel über Sexualkontakte. 

 

Was sind die größten Vorurteile, die Ihnen als Ärztin in einer Praxis mit HIV-Schwerpunkt begegnen?

Die Infizierten seien selbst schuld, sie legten ein moralisch verwerfliches Verhalten an den Tag und hätten besser aufpassen können. Das ist zwar oft richtig, aber trifft etwa für ungewollte Schwangerschaften ja genauso zu. Sex hat auch damit zu tun, dass wir das Gehirn ausschalten. Das gehört zum Menschsein dazu. Da kann man nicht zu streng urteilen. Das zweite sind die Vorurteile zu schwuler Sexualität. Viele meinen, die haben es nicht besser verdient, wenn sie es so wild treiben. Und auch das ist ja nicht in jedem Fall so. Ich selbst werde damit konfrontiert, wenn mich zum Beispiel Kollegen fragen, wie ich verhindere, dass ich mich anstecke. Ich antworte dann einfach plakativ: Ich habe ja keinen Sex mit meinen Patientinnen und Patienten.

 

Wie gehen Sie mit den betroffenen Patientinnen und Patienten um, wenn Sie Ihnen die Diagnose HIV-positiv überbringen?

Die Diagnose ist für viele ein Schock und verbunden mit vielen Ängsten: Wie sieht meine Zukunft aus? Was werden die anderen sagen? Muss ich bald sterben? Mir als Ärztin ist es wichtig, meinen Patientinnen und Patienten zu vermitteln, dass ich diesen Schock sehr ernst nehme. Gleichzeitig kann ich ihnen sagen, dass HIV heutzutage sehr gut behandelbar ist. Die Lebensqualität und -erwartung kann bei früher Diagnose und Behandlung erhalten bleiben. Das ist generell wichtig zu kommunizieren, weil es dazu motiviert, sich regelmäßig testen zu lassen.

 

Mit welchen Ängsten und Sorgen kommen besonders Frauen auf Sie zu?

Frauen befürchten, keinen Partner zu finden. Meine Erfahrung ist, dass Männer damit oft sehr gut umgehen können. Ein weiteres Thema ist Kinderwunsch. Unter erfolgreicher Therapie kommt es ja zu keiner Ansteckung des ungeborenen Kindes, aber das wissen viele nicht. Das dritte Thema stellt die Stigmatisierung dar. Frauen haben mehr Angst als Männer, dass aus der HIV-Positivität abgeleitet wird, dass sie viel Sex mit wahllosen Männern hatten. Bei Männern wird es gesellschaftlich eher akzeptiert, wenn sie ein buntes Sexualleben haben oder hatten. Bei Frauen herrscht eher die Befürchtung, moralisch verurteilt zu werden.

 

Was muss passieren, um der gesellschaftlichen Stigmatisierung – auch in Bezug auf ärztliche Behandlung – den Kampf anzusagen? 

Ich würde mir wünschen, dass alle möglichst offen damit umgehen – gerade, wenn es Leute sind, die in der Öffentlichkeit stehen, wie Sportlerinnen oder Schauspielerinnen. Die öffentliche Aufklärung über HIV-Infektion ist enorm wichtig. Von meinen Kolleginnen und Kollegen erwarte ich, dass sie sich als Ärzte selbst darüber informieren, wie sie mit HIV-positiven Patienteninnen umgehen können. Bei Patienteninnen in einer erfolgreichen Therapie nämlich einfach ganz normal.

 

Weitere Infos unter: www.nochvielvor.de/10fragen-10antworten

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