Erschienen in der L-MAG-Ausgabe 5-2026 (Sep./Okt.)
Von Paula Balov
Vom 28. bis 30. Juli 2026 fand während des World Pride in Amsterdam die „Bi+ World Conference“ statt und brachte die globale Bi+-Community zusammen. Zu ihr zählen sich Menschen, die mehr als ein Geschlecht begehren und sich zum Beispiel als bisexuell, pansexuell oder biromantisch bezeichnen. Mit Vorträgen, Workshops bis hin zu Kunstinstallationen widmete sich das Programm Themen wie Empowerment und Identität.
L-MAG sprach mit Barbara Oud von Bi+ Nederland, einer der Organisationen hinter dieser besonderen Veranstaltung.
L-MAG: Wie kam es zur Bi+ World Conference in Amsterdam – einer Tagung, die Aktivist:innen, Forscher:innen und Kreative aus aller Welt zusammenbrachte?
Barbara Oud: Als im Gespräch war, dass der World Pride nach Amsterdam kommen würde, wussten wir sofort, dass wir die Bi+ World Conference machen wollten. Es bot sich an, denn wir hatten gerade ein Momentum: Als Bi+ Nederland haben wir – zusammen mit der französischen Organisation Spectrum – erst vor Kurzem die erste paneuropäische Bi+-Dachorganisation gegründet, Bi+ Equal. So kam alles zusammen: Die erste Jahreskonferenz von Bi+ Equal fand auf der Bi+ World Conference statt – zum World Pride.
Wie war dein Eindruck?
Drei volle Tage mit 180 Personen – es war fantastisch! Eines meiner Highlights war der Spoken-Word-Workshop mit einer kleinen Show zum Abschluss. Wir haben einen Safer Space geschaffen, in dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Talenten und Perspektiven zusammenkamen. Es gab sogar eine Modenschau von Biweekly, dem neuen Bi+-Modelabel. Dank Stipendien konnten wir etwa 35 Teilnehmer:innen die Reise und den Aufenthalt finanzieren – aus Kenia, Vietnam, Brasilien, Peru, Australien, Kanada, den USA und mehreren Ländern des paneuropäischen Raums.
Was sind die größten Probleme für bi+ Personen weltweit?
Die Geschichten der Menschen sind je nach ihren Lebensumständen sehr unterschiedlich. In Ländern, in denen Queersein kriminalisiert wird, ist die Situation natürlich ganz anders als in Amsterdam. Trotzdem sehen wir weltweit ein Muster: Bi+ Personen sind nicht nur mit Heteronormativität konfrontiert, sondern auch mit der monosexuellen Norm, also der Vorstellung, dass alle Menschen nur ein Geschlecht begehren. Deshalb ist es für viele so heilsam, sich in einem Raum mit 180 anderen bi+ Personen über ähnliche Erfahrungen auszutauschen, selbst wenn man aus ganz anderen Ecken der Welt kommt.