Erschienen in der L-MAG-Ausgabe 1-2026 (Jan./Feb.)
Von Annabelle Georgen
Auf dem Cover ihres Albums, das im Januar 2025 herauskam, posiert Uzi Freyja mit pinken Bantu-Knoten. Sie schaut direkt in die Kamera, den Mund halb geöffnet. Ihr Gesicht und Körper sind schwarz angemalt. „Es ist eine Rüstung, aber eine so dünne Rüstung, dass sie peu à peu verschwindet. Im Laufe des Albums sieht man (auf den dazugehörigen Videos) dann mehr und mehr meine Haut und meine Tattoos“, erklärt Uzi Freyja im Interview mit L-MAG. Als Schwarze Frau spielt sie mit diesem Make-up auch provokativ auf die rassistische Praxis des Blackfacings an.
Das soll aber nicht im Vordergrund stehen. Viel mehr will Uzi Freyja damit auf ihre Wunden aufmerksam machen – die blauen Flecken auf ihrer Seele. Die in Frankreich lebende Kamerunerin (28) hat einen schmerzvollen Weg hinter sich: Als Kind wurde sie von ihren Eltern vernachlässigt und Opfer von Missbrauch. „Bereits mit fünf oder sechs Jahren musste ich erwachsen werden. Das hat etwas in mir gebrochen“, sagt Uzi Freyja.
Ihr Debütalbum hat sie für ihr früheres Selbst, als sie noch Bhelize hieß, geschrieben. „Bhelize Don’t Cry“ besteht aus zwölf Tracks, die „zwölf Briefe an [ihr] inneres Kind“ sind. „Ich habe mich gefragt, was ich diesem kleinen Mädchen, das in mir leidet und schreit, sagen könnte. Dieses Mädchen ist der Grund, warum ich von meiner Vergangenheit nicht loskann. Dieses Album ist also ein Heilungsprozess.“
„Wir sind alle Nutten, wir sollten es einfach zugeben“
Auf dem düsteren Track „Medusa“ rappt sie über den gleichnamigen griechischen Mythos und inszeniert sich selbst als Medusa, als „Monster“, und beteuert vehement ihre Unschuld. „Im Mythos wird sie von Athena bestraft, nachdem sie von Poseidon vergewaltigt wurde. Athena behauptet, dass Medusa Poseidon vielmehr verführte, dass sie ihm nicht widerstanden hat. Athena hilft Medusa also nicht. Das erinnert mich leider an so viele Sachen, die ich durchgemacht habe“, erzählt die Sängerin.