Wie sind die Reaktionen auf deine Musik?
Von der iranischen Community in Deutschland werde ich so ziemlich boykottiert. Selbst von denen, die hier leben und gegen das iranische Regime sind. Sie können nicht ertragen, dass ich queere Rechte unterstütze. Sie haben außerdem ein Problem damit, dass ich als Frau laut spreche und Haut zeige. Starke Frauen lösen Wutgefühle aus. Deshalb wurde ich auch von vielen Fernsehsendern und iranischen Festivals boykottiert. Das war der Grund, warum ich angefangen habe, auf Englisch zu singen, weil ich dachte: Okay, ich kann nicht die ganze Zeit nur Hass abbekommen. Natürlich betrifft das nicht nur die iranische Community. Auch die deutsche Mainstream-Szene bevorzugt brave, vor allem weiße boys and girls, die sich politisch nicht äußern. Und selbst in der alternativen Musikszene ist es nicht einfach. Die deutsche Musikindustrie ist nach wie vor sehr weiß und es mangelt wirklich an Vielfalt.
Und was hast du als nächstes vor?
Ich gehe dieses Jahr auf Tour und werde im Sommer noch auf vielen Festivals spielen. Dann wird im September noch meine nächste EP, die „Saffron“ heißt, erscheinen. Sie handelt von Migration, davon, keinen Pass zu haben – so wie ich keinen habe. Es geht außerdem um die Struggles, eine (iranische) Frau zu sein und zugleich wird „Saffron“ sehr verspielt und tanzbar sein. Ich spreche über Probleme gern auf eine lustige, alberne, verspielte und auch kinky Art. Und auch bei diesem Projekt werden alle Beteiligten Frauen oder queere Personen sein.
Du wurdest 1990 in Teheran geboren, lebst seit 2018 in Deutschland und seit mittlerweile drei Jahren in Berlin. Wie ist dein Leben zurzeit?
Ich würde sagen, es geht nicht um den Ort, sondern um die Menschen, von denen man umgeben ist. Und ich kann sagen, dass ich in Berlin wirklich tolle Freund:innen und eine Wahlfamilie habe. Sie geben mir hier das Gefühl, zu Hause zu sein.
Hast du im Moment Kontakt zu deinen Freund:innen und deiner Familie im Iran?
Ja, ich hatte bisher immer Kontakt, aber das Problem ist gerade (im Mai 2026, Anm. d. Red.) der Shutdown, denn seit über 100 Tagen gibt es im Iran kein Internet. Einige junge Leute finden Wege, wenigstens für ein paar Minuten online zu gehen, aber das ist sehr teuer, weil sie VPNs kaufen müssen. Und das ist verrückt, denn VPNs werden sogar von Leuten aus der Regierung verkauft. Sie verbieten sie und verkaufen sie dann. Für Migrant:innen und für Menschen wie mich im Exil ist das die einzige Hoffnung, dass wir unsere Familien per Videoanruf sehen können.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Natürlich wünsche ich mir für alle Iraner:innen ein normales Leben. Denn alles andere kommt danach. Wir müssen zuerst an einen Punkt kommen, an dem wir grundlegende Rechte haben und nicht darum kämpfen müssen, was wir anziehen, was wir essen, was wir trinken und wer wir sein dürfen. Ich wünsche mir viel Bewusstsein und Bildung für meine Leute, denn vor allem die politische Bildung wurde uns verwehrt. Wir hatten schon immer Probleme, Zugang zum Internet zu bekommen, Englischunterricht wurde an Schulen zunehmend verboten. Ich möchte einfach, dass das iranische Volk mehr über Geschichte weiß und generell ein größeres Bewusstsein dafür entwickelt, was in der Welt passiert. Denn ich denke, wenn dieses Bewusstsein wächst, dann werden auch Männer sich verbessern. Und Frauen werden anfangen, stärkere Grenzen zu ziehen und sich selbst besser zu schützen. Und natürlich hoffe ich auch, dass der Westen aufhört, die iranische Regierung zu unterstützen. Also in dem Sinne, dass nicht mehr mit ihr verhandelt und das Regime nicht mehr gestärkt wird, denn es darf nicht länger normalisiert werden. Wir dürfen die Hoffnung auf ein normales Leben nicht aufgeben. Das ist auch etwas, das wir in „Butterfly“ sagen: „Hast du dir jemals gewünscht, wie ein Schmetterling zu träumen? Das bedeutet einfach ein normales Leben. Einfach ein normales Leben.“ Und für Deutschland träume ich von einem Land ohne Rassismus, ohne Rechtsruck, mit mehr Vielfalt, mehr Licht und Farbe, mehr Sicherheit, Glück und Freude sowie Chancen für queere Frauen und trans Personen.