Aus dem Heft

Babe, der U-Haul ist da!

4.4.2020 - Nach dem zweiten Date schon zusammenziehen? In der lesbischen Welt keine Seltenheit. Woher der dazu passende Begriff "U-Haul" eigentlich kommt und was er bedeutet, erklärt Eva Tepest.

Ich und mein bester schwuler Freund erzählen
 uns seit Jahren immer wieder denselben 
Lesbenwitz: „What does a lesbian bring to the second date?“ (dt.: Was bringt eine Lesbe zum zweiten Date mit?) – „A U-Haul!“ (Einen Umzugswagen!) Das Konzept „U-hauling“ beschreibt die lesbische Gepflogenheit extrem schnell zusammenziehen und hat seinen Ursprung wohl in einer Bemerkung der US-amerikanischen Komikerin und „Orange Is the New Black“-Darstellerin Lea DeLaria Anfang der 90er-Jahre.

Seitdem taucht es in Foren, 
Kneipengesprächen und auf Instagram ebenso häufig auf wie der Wunsch, dass Cate Blanchett eine von uns ist. Zum geflügelten
Wort auch für die deutsche Community wurde U-Hauling spätestens mit der Pilotfolge von „The L Word“ im Jahr 2004. Da denken Tina und Bette mit ihrem Paartherapeuten darüber nach, warum ihre 
Beziehung seit einiger Zeit sexlos ist. Zu viel 
Symbiose töte die Intimität, findet Dr. Sex. „The lesbian urge to merge“ (dt.: der lesbische Drang zur Verschmelzung), pflichtet auch 
Tina raunend bei.

Und damit stecken wir auch schon knietief im frauen- und lesbenfeindlichen Vorurteil: Demnach können wir nie einfach so ficken ohne zu lieben und warten grundsätzlich immer darauf, uns mit einem Koffer voll Flanellhemden, Lebenspartnerin und Haustieren ins lesbische Landleben zu verabschieden. Selbstredend, um dort gar keinen Sex mehr zu haben.

Das ist natürlich Bullshit. Doch wenn wir ehrlich sind, haben wir wohl alle schon mal nach zwei Wochen Dating Konzerttickets für in drei Monaten gekauft und unsere Wohnung untervermietet, weil wir sowieso die ganze Zeit bei der neuen Partnerin abhängen und so Geld für Bioeinkäufe und feministische Punkkonzerte sparen. Naja, ich zumindest.

U-hauling ist aus der lesbischen Kultur nicht wegzudenken, vielleicht auch – so 
Psychologinnen – weil das lockere Daten als 
lesbischer Teenager und vor Dating-Apps wie Lex, Tinder und OkCupid nicht so easy war. Sich im Zuge des Kennenlernens emotional ausgeliefert und besonders bedürftig nach Nähe und Bestätigung zu fühlen, ist nachvollziehbar. Denn wenn Menschen sich verlieben oder intim miteinander sind, wird das 
Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das Bindungen stärken, aber auch zur aggressiven Abwehr gegenüber Außenstehenden führen kann.

Doch wie umgehen mit „neuen Beziehungsenergien“? Erst einmal: Unterschreibt in den ersten 12 Monaten keinen Mietvertrag, keine Katzenadoptionspapiere, nichts! Statt-dessen empfehle ich: durchatmen, Freundinnen 
treffen und die Sehnsucht aushalten.

// Eva Tepest

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