Von Karin Schupp
2.6.2026 - Das deutsche Kino ist bekanntlich keine Hochburg, was lesbische Filme angeht, auch wenn es zu Stummfilmzeiten sogar den Anfang machte. Noch bis in die Nullerjahre hinein gab es so wenige Lesbenfilme, dass jede lesbische Kinogängerin sie mühelos aufzählen konnte und sie unabhängig von Genre – etwa auch den in den 1970ern bis 1990ern beliebten Experimentalfilm – gesehen hatte. Es gab halt nichts anderes.
Das galt aber nur für diejenigen, die in der Nähe eines lesbischen Filmfestivals oder engagierten Programmkinos wohnten, denn in Mainstreamproduktionen war – und ist bis heute – nur wenig Platz für lesbische Storys, obwohl Aimee & Jaguar (1999) als der erste moderne deutsche Mainstream-Lesbenfilm sehr erfolgreich war.
Dass in den letzten zwanzig Jahren die Zahl der Lesbenfilme zunahm, ist nur dem Independent- und Low Budget-Film zu verdanken, und ein echter Kino-Hit oder gar ein neuer Klassiker war leider nicht dabei.
Wir werfen einen Blick zurück und stellen in chronologischer Reihenfolge die zehn wichtigsten lesbischen Klassiker der deutschen Filmgeschichte vor:
1. Die Büchse der Pandora (1929)
Der erste Lesbenfilm der Filmgeschichte: Der Stummfilm über die verführerische Lulu, der die Männer und Frauen – darunter die lesbische Gräfin Geschwitz (Alice Roberts) - reihenweise verfallen, bot die erste lesbische Kinofigur und mit Lulu-Darstellerin Louise Brooks eine der ersten Lesbenikonen. Die Handlung basiert lose auf Frank Wedekinds Theaterstücken Erdgeist und Die Büchse der Pandora.
Gut zu wissen: Zunächst sollte Marlene Dietrich die Hauptrolle spielten, weil Pabsts Favoritin Louise Brooks an ein anderes Studio gebunden war und erst in letzter Sekunde zusagte. Dietrich sei ihm für die Rolle nicht unschuldig genug gewesen, erklärte Pabst später.
Regie/ Buch: G. W. Pabst, 133 min. – bei: Prime Video (Flatrate), Apple TV, Alleskino, Videobuster und auf DVD/ Blu-ray (unsere Filmkritik)