K-Word

K-Word #674: Neues aus der Lesbenwelt

11.9.2026 - Basketball-WM: Queere deutsche Halbfinalistin frisch verheiratet, Preis für Karin Hanczewski, hat Filmstar Letitia Wright eine Partnerin? Princess Charming, Gillian Anderson, lesbische und queere Ballon d’Or-Nominierungen, Kerstin Ott - und mehr!

Von Karin Schupp

11.9.2026 - Bei der Basketball-WM der Frauen in Berlin hat das deutsche Team überraschend das Halbfinale erreicht: Am Samstag geht's gegen Frankreich (12. Sept., 16:30 Uhr), das Finale findet am Sonntag (20:00 Uhr) statt. Am deutschen Erfolg beteiligt ist auch Point Guard Alexis Peterson-Smalls, die ich letzte Woche in meiner Liste der queeren WM-Spielerinnen vergessen habe (danke an K-Word-Leserin Liv für den Hinweis!): Die gebürtige US-Amerikanerin, die eigens fürs Nationalteam die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt (und auch schon zu den queeren Olympionikinnen 2024 gehörte), heiratete Ende Juli die WNBA-Spielerin Kamiah Smalls.

Karin Hanczewski (Tatort) hat den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Ausgezeichnet wurde sie für ihre lesbische Rolle als lesbische Talent-Agentin in Call My Agent Berlin (Disney+). Auf der Bühne dankte sie ihrer Partnerin Netti dafür, dass sie ihr die Dreharbeiten ermöglichte, indem sie sich um ihre gemeinsame (und damals neugeborene) Tochter kümmerte. Und angesichts der politischen Lage beendete die queere Schauspielerinihre Dankesrede mit den Worten: „Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch in einer Demokratie leben werden.“ Lest auch unsere zwei Interviews mit Karin Hanczewski zu Call My Agent Berlin und zu ihrem Coming-out 2021.

Staffel 5 von Princess Charming war ebenfalls für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, ging aber leer aus. Damit entging uns auch die Dankesrede von Vanessa „Nessi“ Borck, aber die letzte Prinzessin der lesbischen Datingshow veröffentlichte sie stattdessen auf Instagram. „Bis heute bekomme ich Nachrichten von Menschen, denen Princess Charming Mut gemacht hat, zu sich selbst und ihrer Liebe zu stehen, und genau das zeigt mir, wie wichtig diese Sichtbarkeit ist“, heißt es darin. „Ich hoffe von Herzen, dass es irgendwann eine Fortsetzung gibt und noch ganz viele queere Liebesgeschichten erzählt werden können.“ Erst vor zwei Wochen wurde bekannt, dass es keine sechste Staffel geben wird (K-Word #672). Auch ein Ersatz wie etwa Charming Girls, scheint nicht geplant zu sein, denn sonst hätte RTL uns das zumindest vage in Aussicht gestellt.

Noch mal zurück zu Call My Agent: Das französische Vorbild für die deutsche Adaption bekam nach vier Staffeln zum Abschluss einen Spielfilm (Netflix, seit 10. Sept.): In Call My Agent! The Movie hat die lesbische Talent-Agentin Andréa (Camille Cottin) die Seiten gewechselt und steht kurz vor ihrem Debüt als Regisseurin. Doch noch vor Beginn der Dreharbeiten bricht Chaos aus: Der Hauptdarsteller geht von Bord, Andréa zofft sich mit ihrem Produzenten und muss sich neben Katastrophen am Set auch mit dem Sorgerechtsstreit um ihre Tochter herumschlagen. Natürlich tauchen auch weitere Charaktere aus der Serie auf, darunter Andréas Ex Colette (Ophélia Kolb) und ihre frühere Asssistentin Camille (Fanny Sidney).

Letitia Wright, bekannt als „Shuri“ aus den Black Panther- und Avengers-Filmen, ist offenbar mit einer Frau namens Angel-Vicki liiert. Die jedenfalls postete nach einer Theaterpremiere in London Fotos, die sie mit der britischen Schauspielerin in Pärchen-Pose zeigen; auch ein Bild auf der Couch, auf dem sie den gleichen Pyjama tragen, kam hinzu. Fans berichten außerdem, dass in Angel-Vickis Bio „WLW“ und „verheiratet“ stehe – nachprüfen lässt sich das nicht mehr, da beide inzwischen ihre Accounts auf privat stellten. Wie Autostraddle schreibt, gab‘s „seit geraumer Zeit im Internet Hinweise auf ihre Beziehung. Die meisten von uns haben einfach nicht danach gesucht oder wussten nicht, wo sie suchen sollten.“ Über Wrights sexuelle Identität wurde schon früher gemunkelt, doch die streng christlich-religiöse Schauspieler hat sich noch nie zu geäußert. Ihr neuer Film Avengers: Doomsday startet im Dezember im Kino.

Gillian Anderson hat ihr Label gefunden: Die Lesbenikone, gerade in der queeren Horrorsatire Teenage Sex and Death at Camp Miasma zu sehen (unsere Filmkritik) zu sehen, bezeichnet sich neuerdings als „pan, also pansexuell“, wie es in einem Porträt der Tageszeitung The Australian heißt. Anderson hatte sich lange als hetero bezeichnet, obwohl sie in ihrer Jugend auch mit Frauen zusammen war (K-Word #671), und erst 2024 in einem Interview gesagt: „Jetzt, mit fünfundfünfzig, frage ich mich: Oh, bin ich pansexuell? Bin ich bisexuell?‘“ Die US-Schauspielerin, die im Australian als ihre Lieblingskörperteile bei Frauen „Lippen“, „Po“ und „Schlüsselbein“ nennt (bei Männern: „Unterarme“ und „schöne Hände“), ist seit zehn Jahren mit dem britischen Drehbuchautoren Peter Morgan zusammen und hat drei Kinder mit früheren Partnern.

Kerstin Ott (K-Word #668) erklärte gegenüber der Bunte, wieso sie sich - schon vor Jahren - beide Brüste abnehmen ließ. „Das ist keine Verkleinerung, sondern eine ganze Mastektomie gewesen“, sagte sie am Rande der Goldene Henne-Verleihung am letzten Wochenende in Leipzig. „Einfach aus der Tatsache, weil in meiner Familie auch Brustkrebs ist und mich die sowieso immer gestört haben.“ Die Operation in ihren Dreißigern sei keine spontane Entscheidung gewesen und habe nicht nur ihr Krebsrisiko minimiert, sondern auch ihr Körpergefühl verbessert, so die lesbisch lebende Schlagersängerin. Das könnten nicht alle verstehen, „aber letztendlich ist meine Antwort darauf, dass es mein Körper ist. Und dass es einfach völlig egal ist, was andere dazu zu sagen haben.“

In dieser Woche wurden die Nominierungen für den Weltfußball-Preis Ballon d’Or verkündet. Wie immer sind auch zahlreiche lesbische und queere Fußballerinnen nominiert, darunter die deutsche Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger (Gotham FC). In der Kategorie „Goalkeeper of the Year“ tritt sie unter anderem gegen Spaniens Cata Coll (FC Barcelona) an, die auch in der Hauptkategorie „Women’s Ballon d’Or“ zur Wahl steht. Nominiert sind dort auch die Spanierinnen Claudia Pina (FC Barcelona), Mapi León und Alexia Putellas (die beide jüngst von Barcelona zu den London City Lionesses wechselten), die Dänin Pernille Harder (Bayern), die Niederländerinnen Kerstin Casparij und Vivianne Miedema (beide Manchester City) und die frisch verheiratete Melvine Malard (Chelsea): die Französin gab in der Sommerpause ihrer Frau Justine das Ja-Wort (mehr queere und lesbische Fußballerinnen stehen hier). Die einzige weitere Deutsche auf der Liste ist Klara Bühl (Bayern). Die Preisverleihung findet am 26. Oktober in London statt.

Am 15. Sept. beim Berliner Serienfestival Seriesly: In der kanadischen Webserie Shipwrecked wird die Body-Positive-Influencerin Ariane (Ariel Charest) nach einer betrunkenen dickenfeindlichen Tirade, die viral geht, gecancelt und taucht bei ihrer Kusine MJ (Katia Lévesque) unter und bei ihrer Ex Nora (Fabiola Nyrva Aladin) wieder auf - auch die beiden kennen es, wegen ihres Körpers von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden. Neben der Dramedy sind auch die Serien AYÔ, Filter und Atlantis Pasila mit schwulen Hauptfiguren im Programm.

Kriegen wir bald die erste deutsche Serie mit einer lesbischen Superheldin? Die Filmemacherin Shamila Lengsfeld, die bereits 2017 den Kurzfilm Blake über die gleichnamige Weltenretterin drehte (L-MAG-Interview), entwickelt den Stoff nun als Serie für das neue deutsche Filmstudio Dreamkite. Das Unternehmen will künstliche Intelligenz mit traditioneller Filmproduktion und professionellen Schauspieler:innen verbinden. Auch Lengsfeld arbeitet schon seit einiger Zeit an dem Thema, wie etwa dieser Mood Trailer für Blake beweist:

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