Was macht euch am meisten Spaß bei dieser Arbeit?
KERSTIN: Ich mag es total, wie unterschiedlich lesbische und queere Paare sein können. Ich finde es faszinierend, etwas über die Geschichte der beiden und die Gründe für die Trauung zu hören. Damit begeben wir uns kreativ auf die Suche: Was könnte der rote Faden für die Zeremonie sein? Das macht mir am meisten Spaß: Gemeinsam mit den Menschen herauszufinden, was passt und was nicht.
Was ist für euch der Unterschied zwischen einer lesbischen Hochzeit und einer hetero Hochzeit?
KERSTIN: Mit Hochzeiten verbinden viele stereotype Vorstellungen, die nicht mit der Realität queerer Menschen übereinstimmen. Was mir in meiner Arbeit auffällt, ist, dass lesbische Paare ein großes Bewusstsein für die Frage haben: Wie wollen wir unsere Beziehung führen? Uns ist wichtig, Klischees zu reflektieren. Gibt es eine Person, die gerne Anzug trägt? Dann heißt das nicht automatisch, dass sie jetzt der „Bräutigam“ ist. Ich glaube, die Entscheidung von lesbischen Paaren, zu heiraten, ist immer auch ein politischer Akt, denn das Private ist politisch! Auch zu heiraten ist politisch, weil für lesbische Paare sehr viel daran hängt, wie zum Beispiel die Adoption von Kindern.
Welche Ideen habt ihr für außergewöhnliche Rituale, die man bei einer Hochzeit machen kann?
ELENA: Bei einer Hochzeit diesen Sommer hatte sich ein Paar ein „Handfasting“-Ritual gewünscht, das aus dem Keltischen kommt. Dabei hält sich das Paar an den Händen, es werden Bänder darübergelegt und wir geben jedem Band einen Wunsch mit. Mir kam dabei die Idee, dass man das auch mit Kletterseilen machen könnte – zum Beispiel für ein kletterbegeistertes lesbisches Paar!
Was ist für euch der schönste Lohn nach einer Zeremonie?
ELENA: Das Gemeinschaftstiftende. Nach einer Zeremonie hat man das Gefühl: Wir haben etwas gemeinsam erlebt, das allen etwas bedeutet und dadurch ist eine neue Gemeinschaft entstanden.
KERSTIN: Mein persönliches Highlight ist, wenn zum Beispiel ältere Menschen dabei sind, die noch nie eine freie Trauung erlebt haben. Wenn die dann mit einem aufgeregten Lächeln und einem Tränchen im Auge zu mir kommen und sagen: „Also, ich habe nicht gedacht, dass das gut wird, aber Sie haben das ganz toll gemacht!“ In Familien haben nicht alle die gleiche politische Haltung. Wenn ich dann merke, ich habe auch die Personen begeistert, die nicht in der queeren Bubble sind, empfinde ich das als Extralohn.
Habt ihr noch einen Geheimtipp für eine gelungene Feier?
ELENA: Mein Tipp an lesbische Paare: Hört auf euer Bauchgefühl und „No People Pleasing“!
KERSTIN: Es ist wichtig, sich zu fragen: An was will ich mich erinnern? Was will ich von dem Tag im Herzen behalten – oder auf welchen Stress habe ich keine Lust an diesem Tag? Und so die Entscheidung zu fällen.
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