Coming Out-Story, Gangsterfilm, Jugenddrama und Road Movie
All das hat man schon einmal gesehen – aber die Mischung ist ungewöhnlich. Denn Regisseur Ali Hakim erzählt die lesbische Coming Out-Story mit den Mitteln des Gangsterfilms, aus dem Jugenddrama wird gegen Ende ein Roadmovie.
Zu der Frage, warum ein heterosexueller, muslimisch erzogener Atheist wie er ausgerechnet eine lesbische Liebesgeschichte erzählt, sagt er selbst: „Warum nicht?! Es sind diesmal eben zwei Frauen. So wie es auch ein Mann und eine Frau sein könnten. Dennoch bleibt das Thema Homosexualität ein bedeutender Teil der Geschichte.“ Besonders gelingt ihm dabei ausgerechnet das, was er nicht aus eigener Erfahrung kennt: die Sexszene von Yara und Kiki.
Den Hauptdarstellerinnen nimmt man auch hölzerne Dialoge ab
Die Nebenfiguren wirken hingegen wie wandelnde Klischees, und das, obwohl der Regisseur und Drehbuchautor Hakim selbst in Hamburg-Wilhelmsburg aufgewachsen ist. Das liegt auch an hölzernen Sätzen wie: „Oh, ich habe vergessen, dir zu sagen, dass wir für Abschaum wie dich hier keinen Platz haben.“
Die Einzigen, denen man die ungelenken Dialoge abnimmt und alle Plattitüden verzeiht, sind die beiden Hauptdarstellerinnen. Denn jeder ihrer Blicke und jede Geste vermittelt das Begehren und die Anziehungskraft zwischen den beiden Frauen. Sie spielen so natürlich und überzeugend, als seien sie wirklich ein Liebespaar.
Der Film soll Menschen den nötigen Mut geben, zu sich und ihrer Liebe zu stehen. Das hofft zumindest der Regisseur. Bonnie & Bonnie ist tatsächlich ermutigend – zeigt aber auch einmal mehr, dass Lesben in Filmen kugelsichere Westen brauchen.
Bonnie & Bonnie (Deutschland 2019); Regie: Ali Hakim; Drehbuch: Maike Rasch & Ali Hakim; mit Emma Drogunova, Sarah Mahita, Slavko Popadic u.a.; 90 Minuten; im Oktober in der Queerfilmnacht (in rund 30 Städten) und ab 24. Oktober im Kino