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Filmtipp „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“: Queere Liebeserklärung an Horrorfilme

20.8.2026 - Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ mit Hannah Einbinder und Gillian Anderson ist eine cineastische Snacktüte: liebenswerter queerer Slasherfilm, Hollywood-Satire und erotische Fantasie der besonderen Art. Kinostart: 20. August.

Von Theresa Rodewald

20.8.2026 - Kris (Hannah Einbinder) ist eine aufstrebende, queere Filmschaffende, deren Debüt auf dem Sundance Filmfestival Wellen geschlagen hat und die deshalb nun die Neuauflage eines altehrwürdigen Horrorfilm-Franchise à la Freitag der 13. wagen soll. Die Camp Miasma-Reihe hat unzählige Teile, Sequels, Prequels und Reboots, ist extrem problematisch, da transphob und misogyn, wird aber von einer hartgesottenen Fan-Community innig geliebt.

Der womöglich größte Fan ist Kris selbst. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, die inzwischen zurückgezogen am ursprünglichen Drehort lebende Darstellerin des ersten Final Girls, Billy Presley (Gillian Anderson), zu einem Gastauftritt im neuen Film zu überreden.

Gillian Andersons Billy Presley erinnert nicht umsonst an Norma Desmond, den in Vergessenheit geratenen Stummfilmstar aus Sunset Boulevard. Sie ist glamourös, mysteriös und etwas sonderlich, wie sie da am Ort ihres frühen Schaffens wohnt, zwischen Filmkulissen und Erinnerungen. Billy führt nachts Selbstgespräche – oder spricht sie etwa mit Little Death (ein Wiedersehen mit Jack Haven aus I Saw The TV Glow), dem Killer aus den Camp-Miasma-Filmen? Wobei es Little Death ja gar nicht in Wirklichkeit gibt … oder doch?

Billy interessiert sich vor allem für Kris

Kris jedenfalls ist begeistert: vom KFC-Hühnchen, das Billy am ersten Abend auftischt und dessen Verzehr eine seltsam sinnliche Qualität annimmt, vom originalen Filmprint, den Kris mit Billy schauen darf, und von Billy selbst, deren Fragen so tief greifen und auf die Kris nur mit filmanalytischen Ausführungen antworten kann. Kris weiß, dass sie den Job lediglich bekommen hat, um der Camp-Miasma-Reihe einen woken Anstrich zu verleihen. Aber sie will Hollywood unbedingt mit seinen eigenen Waffen schlagen. Für Billy hingegen ist das Filmprojekt Nebensache, sie interessiert sich vor allem für Kris.

Der zweite Langfilm von trans Regisseur:in Jane Schoenbrun (I Saw The TV Glow) ist eine cineastische Snacktüte – eine Satire auf Hollywoods unehrliche, am Ende immer profitgetriebene Filmpolitik, die marginalisierten Filmschaffenden nur scheinbar Chancen bietet. Er ist eine Liebeserklärung an Slasherfilme und ihre Fans, an die Kraft, die sich aus Filmen ziehen lässt, egal, wie problematisch sie sind. Und Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist ein Film über Popkultur als Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen, als Mauer, die schützt, aber eben auch einschließt.

Mix aus „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ und „Freitag, der 13.“

Kris lebt so sehr in der Welt der Filme, dass sie anderes kaum wahrnimmt, am wenigsten sich selbst. Billy holt Kris aus deren Schneckenhaus. Und was als sinnliches KFC-Gelage beginnt, endet mit dem Artikulieren und Ausleben einer erotischen Fantasie der etwas anderen (da blutigen) Art. Dieses Sich-ausleben, Sich-sehen-lassen, um die unsichtbare Hürde der Leinwand oder des Bildschirms zu überwinden, macht Teenage Sex and Death at Camp Miasma zu einem sehr persönlichen, selbstbewusst-sonderbaren und vor allem liebenswerten Film – für alle, die sich nur ungern gruseln und für Horrorfans gleichermaßen. Oder, in den Worten der Regisseur:in Jane Schoenbrun: Der Film ist eine Mischung aus Porträt einer jungen Frau in Flammen und Freitag der 13.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma, UK/USA 2026, 112 Minuten, Regie: Jane Schoenbrun, mit Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Kinostart: 20. Aug. 2026

 

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