Eine Lernkurve für die Mütter - und sogar ein Happy End
Und so stolpert die Handlung ohne viele Pointen oder Situationshumor so vor sich hin. Das junge Paar, Hedwig (Alina Schaller) und Andreas (Julian Pichler), hält sich raus und überlässt den zeternden Müttern und dem schwulen Familienfreund (Thomas Mraz) die Bühne. Und selbst Andreas‘ in Tracht auftauchende Eltern aus Tirol (Carmen Gratl und Roland Silbernagl) - auf dem Papier der größtmögliche Kontrast zur queeren Großstadt-Familie - beiben hinter den Comedy-Erwartungen zurück.
Am Ende gibt’s eine Lernkurve für die Mütter (die auch damit zu tun hat, dass selbst die überzeugteste Lesbe mal Sex mit Männern hat) und das genretypische Happy End für alle. Ja, auch für Balbina und Inka, die sich doch tatsächlich lieben - puh, noch mal die Kurve gekriegt!
Nicht die lesbischen Identifikationsfiguren, die wir uns wünschen
Da fragt man sich ratlos, für wen „So haben wir dich nicht erzogen“ eigentlich gedreht wurde. Klar, das lesbische Publikum wird in TV-Redaktionen keine große Rolle spielen, aber dass Bablina und Inka keine guten Identifikationsfiguren abgeben, wird auch dem klassischen Publikum solcher Filme - weiblich und älter (also wie die beiden!) - nicht gefallen.
Menschen, die ein Problem mit Homosexualität haben, werden zwar ihre Vorurteile bestätigt sehen, aber bestimmt nicht 85 Minuten lang hinschauen, nur um das Paar in den letzten Minuten dann doch ins Herz zu schließen.
Mehr lesbische TV-Stoffe mit frischerem Blick
Fürs lesbische Publikum, das sich eigentlich begeistert auf jeden lesbischen TV-Stoff stürzt, könnte „So haben wir dich nicht erzogen“ eine doppelte Enttäuschung sein.
Bekanntlich produziert das deutsche Fernsehen nur selten Filme mit lesbischen Hauptfiguren, und wenn das alle Jubeljahre mal passiert, würde man sich wünschen, dass der Auftrag an jemanden mit frischerem Blick und größerer Nähe zum Thema vergeben wird, als es Uli Brée (Drehbuch) und Michaels Kreihsl (Regie), zwei Männer über 60, zu bieten haben.
Dennoch darf man „So haben wir dich nicht erzogen“ keine schlechten Einschaltquoten wünschen. Denn daraus könnten Programmverantwortliche fälschlicherweise folgern, dass „Lesbenfilme halt nicht funktionieren“. Die jedoch - das müsste doch längst klar sein – kommen auch bei Heteras an, solange sich bei den Hauptfiguren und ihrer Story mitfiebern lässt. Bitte dreht mehr solcher Filme!
So haben wir dich nicht erzogen (BR/ORF 2026), Das Erste, Mi, 18. März 2026 (20:15 Uhr) oder schon jetzt in der ARD-Mediathek