Von Karin Schupp
7.4.2026 - Für Clémence (Vicky Krieps) läuft’s eigentlich gut: Ein Quickie mit einer schönen Unbekannten in der Schwimmhalle, ein fröhliches Telefonat mit ihrem Sohn Paul und mit ihrem Ex Laurent (Antoine Reinartz) versteht sie sich auch.
Doch das ändert sich schnell, als Clémence ihm erzählt, dass sie seit einigen Monaten nur noch Frauen datet. Laurent lacht unbeholfen, versichert ihr: „Ich will nur, dass du glücklich bist“ – und versucht sie beim Abschied zu küssen. Kurz darauf erfährt sie, dass er das alleinige Sorgerecht beantragt hat. Sein Vorwurf: „Inzest und Pädophilie, direkt oder durch Dritte.“
Clémence ist wie vor den Kopf gestoßen, nichts läge ihr ferner. Trotz der absurden Anschuldigungen hat sie's vor Gericht schwer. Offensichtlich wird ihr auch negativ ausgelegt, dass sie ihren lukrativen Job als Anwältin aufgegeben und ihr bürgerliches Leben hinter sich gelassen hat, um als (zu diesem Zeitpunkt mittellose) Schriftstellerin zu leben.
Schwanken zwischen Hoffnung, Freude und Enttäuschung
Monate vergehen, es wird Winter, wieder Sommer, dann sind anderthalb Jahre vorbei. Paul (Viggo Ferreira-Redier) ist nicht mehr acht, sondern bald zehn Jahre alt, als Clémence ihn endlich wieder - und nur unter behördlicher Aufsicht – treffen darf. Die Freude ist riesig, aber das ständige Schwanken zwischen Hoffnung, Freude und Enttäuschung zehrt an ihrer beiden Nerven.
Wer sich keinen Zentimeter bewegt, ist der irrational-wütende Laurent. Was ihn, den wir im Film nur noch wenige Male sehen, zu seinem Verhalten motiviert, erfahren wir nicht - genauso wenig wie Clémence, die an einer Stelle sagt: „Du bist erbärmlich. Ich erkenne dich nicht wieder.“