Von Karin Schupp
25.4.2026 - „Ihr wieder mit eurer lesbischen Sichtbarkeit!“, hören wir immer wieder - selbst von Frauen, die selbst lesbisch leben – und das nicht nur am „International Day of Lesbian Visibility“, der am 26. April 2008 in Spanien ins Leben gerufen und 2018 auch nach Deutschland kam.
Ja, sind wir denn nicht schon längst sichtbar genug? Und wozu brauchen wir überhaupt diese Sichtbarkeit? Darauf gibt es zwei klare Antworten: 1.) Nein, sind wir nicht – solange der CSD bei vielen noch „Schwulenparade“ heißt, Hella von Sinnen der einzige lesbische Promi ist, der deutschen Heteros nach einigem Zögern einfällt, lesbische Charaktere im deutschen Serien nur mit der Lupe zu finden sind und Zwei-Mütter-Familien immer noch vom Gesetz diskriminiert werden (wir berichteten).
Keine Selbstverständlichkeit ohne Sichtbarkeit
Um aber 2.) einen ganz selbstverständlichen Umgang mit lesbischen Frauen in Medien, Politik, Sport, Kirche, Schule und nicht zuletzt in unserem eigenen Alltag erwarten zu können, benötigen wir im ersten Schritt - genau: Sichtbarkeit. Andersrum funktioniert es nicht. Denn nur wer uns wahrnimmt, versteht, dass wir keine „Einzelschicksale“ sind, dass wir sehr unterschiedlich sind, manchmal den Klischees entsprechen und manchmal nicht, und dass wir dieselben Rechte wie Heteros verdienen.
Und wer sich gegenüber Lesben(themen) verkrampft oder unsicher verhält, kann nur im Umgang mit lesbischen Frauen - uns sehen, uns erleben, mit uns reden - lockerer werden. Andernfalls bleiben wir „die Anderen“, „die Ungewohnten“ oder auch ganz einfach die „Nicht-Existenten“.