News

Bineta Hansen: „Leute wie ich haben nie Sex, oder was?“

5.12.2021 - Die pansexuelle Schauspielerin Bineta Hansen ist in der zweiten Staffel der ZDF-Serie „WIR“ und im ARD-Weihnachts-Mehrteiler „Eldorado KaDeWe“ zu sehen. Im L-MAG-Interview spricht sie über die Serien, bescheuerte Stöckelschuhe und #ActOut.

Von Paula Lochte

5.12.2021 - Wir kennen sie als queere Mitbewohnerin in Deutschlands erster Lesbenserie Loving Her, nun ist die pansexuelle Schauspielerin Bineta Hansen bald im Weihnachtsmehrteiler Eldorado KaDeWe, der eine lesbische Liebesgeschichte erzählt, zu sehen und übernimmt eine Hauptrolle in der zweiten Staffel der ZDF-Serie WIR. Während in der ersten Staffel die Jugendfreundinnen Annika und Helena nach zwölf Jahren Funkstille ihre Liebe zueinander wiederentdecken (unsere Serienkritik), wechselt in der zweiten Staffel die Perspektive: Erzählt wird die Geschichte von einem ihrer Freunde, dem frisch geschiedenen Emre (Erol Afsin), der sich in die Feuerwehrfrau Katha (Hansen) verliebt.

 

L-MAG: In der zweiten Staffel der ZDF-Serie WIR spielst du die Feuerwehrfrau Katha. Was hat dich an der Rolle gereizt?

BINETA HANSEN: Sehr viel! Ich habe immer auf eine Rolle im deutschen Fernsehen gewartet, die frech, laut, stark ist – und trotzdem richtig weich. Also, die Fehler macht, sensibel ist und manchmal gar nicht weiß, wohin mit sich. Eigentlich war die Rolle viel älter angesetzt, aber als ich die Rollenbeschreibung gelesen habe, habe ich gedacht: „Scheißegal! Ich will das trotzdem spielen.“

Die Figur Emre, die sich in Katha verliebt, ist Mitte dreißig – du bist Anfang zwanzig. Schon ein ziemlicher Altersunterschied.

Letztlich passt das zum Konzept von WIR: Es ist schnuppe, wie groß, klein, dick, dünn oder alt du bist. Wenn Leute sagen, „Ihr seid so ein besonderes Paar!“, frage ich mich immer, was daran besonders ist. Genauso bei queeren Liebesgeschichten wie in Loving Her. Das sind Liebesgeschichten, die es in der echten Welt gibt. Und die endlich auf eine Weise erzählt werden, die Normen aufbricht und nicht zum Thema macht, wie „besonders“ diese Liebe ist. Wir stellen die Gesellschaft dar, wie sie ist.

Im Mittelpunkt von Staffel 2 steht eine heterosexuelle Liebesgeschichte. Was macht die Serie auch für Lesben spannend?

Dass die Liebesgeschichte nicht klischeehaft erzählt ist. Ich bin so happy, mit Katha endlich mal eine Frau zu sehen, die mehr auf den Rippen hat und die trotzdem begehrt wird. Als ich groß geworden bin, habe ich immer nur Frauen mit 90-60-90-Maßen im Fernsehen gesehen. Da habe ich gedacht: „Okay, das heißt also, Leute wie ich haben nie Sex, oder was?“ Ich hoffe, dass Pubertierende die Serie sehen und denken: „Ach, die darf das auch? Und das wird nicht zum Problem erklärt? Dann darf ich das ja auch!“

Du hast dich Anfang des Jahres an der Aktion #ActOut beteiligt, bei der sich 185 Schauspieler:innen geoutet und mehr Diversität im Film und auf der Bühne gefordert haben. Was hat dich dazu bewogen?

Als ich mich in meinem Umfeld geoutet habe, kamen Sätze wie: „Habe ich schon gemerkt, du ziehst dich ja auch gern mal männlicher an.“ Da dachte ich so: „Hä? Was hat denn mein Style damit zu tun, wen ich liebe?“ Das ist so ein Schwachsinn! Und als ich mit dem Schauspiel angefangen habe, kamen oft Sätze wie: „Du bist ein sehr besonderer Typ“ oder „Du bist so unweiblich.“

Von wem hast du so was gehört?

Von Regisseur:innen und Kolleg:innen. Ein Theaterregisseur hat mir mal gesagt: „Eine Frau muss auf der Bühne sehr gut in hohen Schuhen laufen können.“ Und dann musste ich die ganzen Proben mit so Plastik-High-Heels herumlaufen! Da habe ich gemerkt, dass es gar nicht darum ging, wie ich spiele. Was mich ausmacht. Was ich möchte. Sondern nur darum, dass ich am Ende dieser Probenzeit in High-Heels springen und klettern kann, während meine männlichen Kollegen in Sneakern auf der Bühne herumlaufen. Mit #ActOut wollte ich ein Zeichen setzen, damit Menschen endlich aufhören, in Klischees zu denken. Wir müssen dafür kämpfen, dass in der Theater- und Filmwelt nicht immer die gleichen Sachen abgebildet werden.

Wie waren die Reaktionen?

Unterschiedlich. Viele haben mir geschrieben, wie toll sie die Aktion finden. Andere haben gesagt: „So schlecht geht es euch doch gar nicht, schaut mal in andere Länder.“ Oder: „Ihr wollt doch nur Aufmerksamkeit und mehr Rollen wie bei #MeToo.“ Da dachte ich dann: „Yo, ich kenne keine Frau, die durch #MeToo eine Hauptrolle bekommen hat!“ Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Aber #ActOut hat viele Leute ermutigt, was ich am allerschönsten finde.

Auch im Weihnachts-Mehrteiler Eldorado KaDeWe wirst du zu sehen sein. Was hat uns die Geschichte des Berliner Kaufhauses heute noch zu erzählen?

Viele tun so, als gäbe es das Thema Queerness erst seit Instagram. Der Mehrteiler erzählt ein Stück Geschichte: über das jüdische Kaufhaus, über Berlin, über die 20er und 30er Jahre in Deutschland. Und über zwei Frauen, die in dieser schwierigen Zeit versuchen, ihre Liebe zu finden.

Du warst mal Profi-Boxerin: Deutsche Meisterin 2013 und Bronzegewinnerin bei der Europameisterschaft 2014. Was hat dich am Boxen fasziniert?

Ich war ein sehr lautes, hibbeliges Kind und bin so mit elf Jahren zum Boxen gekommen. Boxen ist ein großartiger Sport! Du trainierst dich selbst, musst clever Punkte erzielen und es hilft dir, Selbstbewusstsein aufzubauen. Leistungssportlerin zu werden hätte allerdings auch bedeutet: kein Abitur machen, keine Freunde haben, in die Bundeswehr eintreten, dreimal täglich trainieren. Als ich mir manche Sportler:innen bei der EM angeguckt habe, die nur noch ein Muskel sind und deren Augen halbtot wirken, habe ich gemerkt: So soll mein Leben nicht aussehen. Ich will Schauspielerin werden.

Eine Frage, die wir immer gern stellen: Wer war die erste Frau, in die du dich verliebt hast?

Dadurch, dass ich pansexuell bin, ist mir Geschlecht egal. Meinen ersten queeren Crush hatte ich auf einen trans Mann. Und dann hatte ich vor anderthalb Jahren eine Begegnung mit einer tollen Frau, wo ich gemerkt habe: „Meine Güte! Wir sind mehr als nur Freundinnen.“ Und das allerschönste war, dass sich das komplett normal angefühlt hat.

 

WIR steht in der ZDF Mediathek, immer freitags eine neue Folge; Staffel 2 ab 7. Jan. bei ZDFneo

Loving Her steht ebenfalls in der ZDF Mediathek

Eldorado KaDeWe läuft am Mo, 27. Dez., ab 20:15 Uhr im Ersten und steht ab 20. Dez. in der ARD-Mediathek

 

Die aktuelle Ausgabe der L-MAG  jetzt an jedem Bahnhofskiosk, im Abo, als e-Paper und bei Readly erhältlich.

 

ACHTUNG: Wir schenken euch E-Paper-Ausgaben der L-MAG! Hier geht's zum kostenlosen Download - für den Desktop und für mobile Geräte.

L-MAG.de unterstütze ich!

Wir kämpfen seit 18 Jahren für lesbische Sichtbarkeit, auch im Internet. Deshalb wollen wir uns nicht hinter einer Bezahlschranke verstecken. Sondern auch in Zukunft kostenlos K-Word, Filmtipps und lesbische News für alle lesbar und frei zugänglich online stellen.

Dafür brauchen wir deine Unterstützung. Hilf uns monatlich oder auch einmalig mit einem freiwilligen „online-Abo“ und sichere damit lesbischen Journalismus im Netz.

Vielen Dank! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und den Adserver Google DFP. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, stimmen Sie dem zu.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK

L-MAG.de zahl‘ ich freiwillig!

Online Journalismus kostet! Denn gut recherchierte Inhalte brauchen Zeit und engagierte Mitarbeiter*innen, die Texte schreiben, Informationen prüfen und Interviews führen. Unser Team setzt sich seit fast 20 Jahren für lesbische Sichtbarkeit im Netz ein.

Jeden Freitag erwartet dich hier KWord – der einzigartige Klatsch aus der Lesbenwelt. Außerdem bieten wir dir regelmäßig lesbisch-queere News aus aller Welt.

Wir wollen auch in Zukunft unsere Themen nicht hinter einer Bezahlschranke verstecken, denn wir glauben: Lesbische Anliegen gehören in die Öffentlichkeit – und zwar für alle sichtbar und lesbar.

Deshalb unterstütze uns (monatlich oder auch einmalig) und wir sorgen weiterhin für lesbischen Journalismus im Internet.

Wir sagen: Danke und Happy Pride! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x

L-MAG.de zahl‘ ich freiwillig!

Online Journalismus kostet! Denn gut recherchierte Inhalte brauchen Zeit und engagierte Mitarbeiter*innen, die Texte schreiben, Informationen prüfen und Interviews führen. Unser Team setzt sich seit fast 20 Jahren für lesbische Sichtbarkeit im Netz ein.

Jeden Freitag erwartet dich hier KWord – der einzigartige Klatsch aus der Lesbenwelt. Außerdem bieten wir dir regelmäßig lesbisch-queere News aus aller Welt.

Wir wollen auch in Zukunft unsere Themen nicht hinter einer Bezahlschranke verstecken, denn wir glauben: Lesbische Anliegen gehören in die Öffentlichkeit – und zwar für alle sichtbar und lesbar.

Deshalb unterstütze uns (monatlich oder auch einmalig) und wir sorgen weiterhin für lesbischen Journalismus im Internet.

Wir sagen: Danke und Happy Pride! Dein L-MAG-Team

Nein Danke, möchte ich nicht | Hab schon!

L-MAG.de finde ich gut!
x