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Lesbische Politikerin wird Serbiens Regierungschefin

9.5.2017 - Es ist eine Sensation: Ana Brnabić wird die erste offen lesbische Premierministerin in der Geschichte Serbiens. Ihre Ernennung ist ein wichtiges Zeichen – doch sie sollte auch kritisch beäugt werden.

Von Isabel Lerch

l-mag.de, 20.6.2017 – In Serbien regiert künftig erstmals eine offen lesbische Premierministerin: Am Donnerstag ernannte der neue Staatspräsident Aleksandar Vučić die parteilose Politikerin Ana Brnabić zur Regierungschefin.

Die bisherige Ministerin für öffentliche Verwaltung und Kommunales galt als Favoritin – dennoch soll die serbisch-orthodoxe Kirche Medienberichten zufolge wochenlang versucht haben, ihre Ernennung als Regierungschefin zu verhindern. Bereits ihre Berufung in die serbische Regierung vor einem Jahr hatte in dem orthodoxen Land für Aufsehen gesorgt. Denn Brnabić hat aus ihrer Homosexualität nie ein Geheimnis gemacht.

Lesbische Premierministerin – lesbenfreundliche Politik?

Doch das bedeutet nicht, dass die 41-jährige auch lesbische Politik machen wird: Brnabić selbst hat mehrfach betont, dass sie keine „lesbische Ministerin“ ist, wie ihre Kollegen ja auch keine „heterosexuellen Minister“ seien. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte die Politikerin, sie möge weder ihre sexuelle Orientierung hervorheben noch verheimlichen. "Ich denke, das ist ein großer Schritt für die serbische Gesellschaft. Ich bin absolut dagegen, dass jemand ein Amt bekommt, nur weil er einer Minderheit angehört. Aber wenn man kompetent ist, dann soll man wegen seiner Orientierung, Zugehörigkeit oder Meinung nicht diskriminiert werden", sagt Brnabić.

Die Serbin mit kroatischen Wurzeln hat eine beachtliche Karriere vorzuweisen: Nach einem Verwaltungsstudium in den USA machte sie später ihren Masterabschluss in Marketing an der englischen Hull Universität. Danach arbeitete Brnabić in diversen internationalen Firmen und Organisationen. Neben Englisch spricht sie fließend Russisch.

Symbolpolitisches Signal in Richtung Europäische Union

Auch aufgrund dieser eindrucksvollen Laufbahn wird sich Serbiens Staatspräsident Vučić trotz der Widerstände der Serbisch-Orthodoxen Kirche und Mitglieder seiner nationalpopulistischen Regierungspartei SNS bewusst für die politisch eher unerfahrene Newcomerin entschieden haben: Brnabić gilt als pragmatisch, politisch unabhängig, fachlich kompetent und international gut vernetzt. Vor allem aber ist sie ihrem politischen Ziehvater Vučić gegenüber absolut loyal. Kritiker des serbischen Staatspräsidenten sehen daher in Brnabić nicht mehr als eine ihm treue Buchhalterin, deren Spielraum begrenzt ist.

Nicht nur innenpolitisch ist die Ernennung der lesbischen Politikerin ein strategischer Vorteil für den serbischen Präsidenten. Auch bei den EU-Partnern wird Vučić mit ihrer Nominierung zur Regierungschefin punkten. Denn Brnabić ist nicht nur die erste Frau und offen homosexuelle Regierungschefin des EU-Beitrittskandidaten Serbiens - sie gilt auch als pro-europäisch und wirtschaftsliberal. Somit kann sich Präsident Vučić, der sonst als eher autoritär und nationalistisch gilt, als liberaler Reformer präsentieren.

Daher sollte die Ernennung der ersten lesbischen Regierungschefin Serbiens neben der berechtigten Freude auch kritisch beäugt werden: Der Verdacht, dass sie Präsident Vučić auf europäischer Bühne vor allem als regenbogenfarbenes Feigenblatt für liberale Politik dient, liegt nahe.

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