Wir hatten uns dagegen entschieden, durch den Iran zu fahren, und mussten dann ein Stück fliegen. Hattet ihr vorher Zweifel, ob der Iran für euch eine Option ist? (Anm. der Red.: Das Interview fand im Januar 2026 vor Ausbruch des Krieges der USA und Israels mit Iran statt.)
JOHANNA: Wir haben uns auch darüber Gedanken gemacht. Deshalb haben wir über Couchsurfing Leute vor Ort angeschrieben und sie gefragt, wie sie die Situation einschätzen.
TANJA: Wir haben allerdings nicht geschrieben, dass wir ein lesbisches Paar sind, sondern haben gefragt, wie das für zwei Frauen wäre, dort alleine herumzuradeln. Die Antworten waren alle positiv: „Kommt her, wir kümmern uns um euch.“ Im Dezember 2025 sind wieder Massenproteste im Iran aufgeflammt, die von der Regierung blutig niedergeschlagen wurden. Das zeigt einmal mehr: Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Bevölkerung und dem Regime im Iran.
JOHANNA: Zuerst haben wir uns dort sehr angepasst. Später haben wir gesehen, dass die Menschen auf ihre Weise protestieren. Das hat uns echt Mut gegeben.
Ihr seid durch einige Länder gefahren, in denen auf Homosexualität viele Jahre Gefängnis oder sogar die Todesstrafe stehen.
JOHANNA: Wir haben sie erst nach unserer Reise gezählt, was gut war.
TANJA: Wir haben uns diese Gedanken nie gemacht...
JOHANNA: ...weil wir uns nicht einschränken lassen wollten und weil wir wissen: Nicht alle Menschen sind so.
TANJA: Aber wir schmusen auch nicht in der Öffentlichkeit. Das ist nichts, was uns einschränkt, wenn wir das eine Zeit lang nicht tun. Und auf dem Fahrrad kannst du sowieso nicht Händchen halten.
Von der politischen Lage in den Ländern einmal abgesehen ist es schon eine Herausforderung, über den afrikanischen Kontinent zu radeln und die ganze Zeit über im Zelt zu übernachten. Wie war das für euch?
JOHANNA: Wir haben uns langsam daran gewöhnt. In Südafrika, wo wir gestartet sind, ging es zuerst mit kleineren Tieren wie Springböcken los. Nachts hörst du Schakale, Hyänen... und merkst dann, die tun dir nichts. Die respektieren uns, wenn wir sie respektieren. Abends haben wir Feuer gemacht und unsere ,Bush-Rules‘ angewandt, wie kein Essen im Zelt und nicht zur Jagdzeit von Raubtieren unterwegs sein.
TANJA: Wir haben viel recherchiert. Kann man überall campen? Gibt es Menschen, die das schon gemacht haben? Und wir haben viel mit Locals gesprochen. Uns wurde oft bestätigt: Sobald du im Zelt bist, bist du für die Tiere quasi abstrakt und keine Beute mehr.