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Das sind die lesbischen und bisexuellen Olympionikinnen in PyeongChang

11.2.2018 - Bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea kämpfen auch (mindestens) zwölf offen lesbische und bisexuelle Frauen und vier schwule Männer um Medaillen – wir stellen sie hier vor!

Von Karin Schupp

11.2.2018 - Unter den vielen Mützen, Helmen und Kapuzen, die wir in den nächsten zwei Wochen sehen werden, sind natürlich auch etliche LGBT-Sportlerinnen und Sportler (oder besser gesagt: LGB, denn Trans-Teilnehmende sind nicht gemeldet).

Zum Start der Olympischen Winterspiele in Südkorea wissen wir von zwölf offen lesbischen und bisexuellen Frauen und vier Schwulen - und dass das alle sind, ist auszuschließen, denn abgesehen von den üblichen Dunkelziffer sind die meisten Wintersportlerinnen einfach nicht bekannt genug, um das öffentliche Interesse zu wecken. Beim Durchstöbern aller Instagram-Accounts würde man also bestimmt noch so einige Athletinnen finden, die ihre Freundin oder Frau nicht verstecken.

Während auch im russischen Sotschi 2014 schon neun Frauen die Regenbogenfahne hoch hielten, legen in Südkorea die Männer nach: Zum allerersten Mal trauten sich auch schwule Wintersportler aus dem Schrank (drei von ihnen waren übrigens auch schon vor vier Jahren am Start). 

Und wo bleiben die Deutschen? Dass unter den 154 gemeldeten Athleten im deutschen Team gar keine Lesben, Schwulen oder Bisexuellen sein sollen, ist ja schon rein statistisch unwahrscheinlich. Aber vielleicht hängt ja in der nächsten Woche doch noch jemand die Regenbogenflagge aus dem Deutschen Haus in PyeongChang?!

Skeleton (Update, 12.2.):

Kim Meylemans (Belgien): Immerhin - die 21-Jährige, die im Ostallgäu aufwuchs, hat auch die deutsche Staatsangehörigkeit, startet aber seit 2014 für Belgien. Dass sie lesbisch ist, ist in ihrer Sportart allseits bekannt und führte zu homophoben Beschimpfungen durch russische Athleten, weil sie 2016 zu den Sportlerinnen gehörte, die wegen der Doping-Vorwürfe gegenüber Russland ein Weltcup-Rennen in Sotschi boykottieren wollten (der Wettkampf wurde daraufhin verlegt). “Ich wurde bedroht”, erzählte sie am Mittwoch der belgischen Zeitung Nieuwsblad. “’Es ist gut, dass du nicht nach Sotschi kommst, denn Homosexualität ist wie Krebs, und du bist krank’”, habe sie sich anhören müssen.

Snowboard:

Die ehemalige Fun-Sportart ist auch hier der Trendsetter: Drei der vier Snowboarderinnen auf unserer Liste waren nämlich auch in Sotschi 2014 schon offen lesbisch.

Simona Meiler (Schweiz), die in ihren dritten Olympischen Spielen antritt, gehörte damals zu den Sportlerinnen, die in einer Petition vom IOC und den Sponsoren verlangten, Russland wegen seiner homophoben Gesetzgebung stärker unter Druck zu setzen. "Als Athletin, aber auch als Mensch denke ich, dass wir jegliche Form von Diskriminierung stoppen müssen, um unser ganzes Potenzial freisetzen zu können", sagte sie gegenüber swissinfo.ch. "Athleten, die gewinnen wollen, müssen (…) ihre volle Leistung erbringen, und das ist nur möglich, wenn sie ihre Sexualität akzeptieren und ausdrücken können.“

Cheryl Maas (Niederlande): Auch die Freestylerin (33) gehörte vor vier Jahren zu den öffentlichen Kritikerinnen der „Gay Propaganda“-Gesetze Russlands, vor Ort zeigte sie ihre Regenbogen-Einhorn-Handschuhe in die Fernsehkamera. Bei den X-Games, dem Weltturnier für Extremsportarten, gewann sie 2016 Gold und gehört auch bei ihrem dritten Olympia-Start zu Hollands Medaillen-Kandidatinnen. Maas ist mit der norwegischen Ex-Snowboarderin Stine Brun Kjeldaas (Silber in Nagano 1998) verheiratet, das Paar hat zwei Töchter.

Šárka Pančochová (Tschechien): Sie ist ebenfalls zum dritten Mal dabei und outete sich letztes Jahr auf der LGBT-Sport-Webseite Outsports. “Manche Menschen fühlen sich stärker von Frauen angezogen und manche stärker von Männern“, sagte sie dort. „Für mich ist es gerade eine Frau, und ich fühle mich im Moment stärker von Frauen angezogen. Ich stehe dazu, und ich liebe es!” Sharky (27), wie sie von ihren Freunden genannt wird, betreibt mit ihrer besten Freundin von Cheryl Maas auf Instagram und Facebook die Accounts SharkTales & MaasAttacks, wo die beiden Fotos und lustige Videos von und neben der Piste posten.

Belle Brockhoff (Australien) qualifizierte sich nur acht Wochen nach einer ernsthaften Knieverletzung für ihre zweiten Olympischen Spiele. Ihr Coming Out 2013 verband die 25-Jährige mit einem Protest gegen die gerade beschlossenen homophoben Gesetze in Russland und ließ sich auch zu Beginn der Spiele keinen Maulkorb verpassen. „Ich habe keine Angst vor diesen Gesetzen“, sagte sie damals BBC Sports. „Und ich möchte, dass andere, die in Russland leben und homosexuell sind, das mitbekommen.“

Eisschnelllauf:

Ireen Wüst (Niederlande): Sie ist eine der erfolgreichsten Eisschnellläuferin aller Zeiten, gewann seit Turin 2006 schon neun Olympiamedaillen, davon vier goldene und gestern - der jüngste Neuzugang im Medaillenschrank - Silber über 3000 Meter. Die 31-Jährige ist offen bisexuell, war früher mit der Shorttrack-Läuferin Sanne van Kerkhof und bis 2015 mit einem Mann liiert, im letzten Jahr heiratete sie die Nachwuchsläuferin Letitia de Jong (wir berichteten), die die Olympia-Qualifikation knapp verpasste: Ausgerechnet ihre Frau hatte sie um 0,1 Sekunden geschlagen! Wüst bot zwar an, ihr ihren Startplatz über 1000 Meter zu überlassen, doch der Eislaufverband verbot diese großzügige Geste.

Brittany Bowe (USA) war früher Basketballerin und mischte an der Weltspitze im Inlineskating mit, bis sie 2010 die Kufen für sich entdeckte. Seitdem gewann sie vier WM-Titel und hofft jetzt – nachdem sie vor vier Jahren leer ausging – auf ihre erste Olympiamedaille. Die 29-Jährige, die auch in Sotschi schon offen lesbisch war, ist mit der Niederländerin Manon Kamminga, Weltmeisterin und mehrfache Europameisterin in Inline-Skating zusammen. „Es ist schön, mit jemandem zusammen zu sein, der dieselben Leidenschaft, dieselben Ziele verfolgt“, sagte Bowe in einem Porträt des US-Olympiasenders NBC. „Natürlich ist es schwer, an verschiedenen Enden der Welt zu leben. Aber wir sind beide auf unsere Ziele fokussiert.“

Eishockey:

Im Eishockey ist die Dunkelziffer besonders hoch, allein im kanadischen Nationalteam sollen sechs Spielerinnen lesbisch oder bisexuell sein. Nach den Rücktritten von Torfrau Charline Labonté und der früheren Kapitänin Caroline Ouellette (die im November mit der Ex-Kapitänin des US-Eishockeyteams, Julie Chu, Eltern wurde) ist nur noch eine von ihnen halbwegs out:

Brianne Jenner (Kanada) postete im vergangenen August auf Instagram ein Verlobungsbild mit Hayleigh Cudmore, ihrer Teamkollegin beim amtierenden Landesmeister Calgary Inferno. Die Olympiasiegerin von Sotschi will in PyeongChang natürlich ihre Goldmedaille verteidigen.

Emilia Ramboldt (Schweden): Die Kapitänin des Nationalteams (29) spielt seit 2007 für ihr Land und gewann gleich in ihrem ersten Jahr WM-Bronze. Bei zwei Olympischen Spielen stand sie auch schon auf dem Eis, spielte dort aber noch nie um eine Medaille mit. Seit 2015 ist Ramboldt mit ihrer Frau Anna Ramboldt verheiratet, letztes Jahr wurden sie Eltern ihres Sohns Walter, der seitdem ihr Lieblingsmotiv auf Instagram ist.

Skispringen:

Daniela Iraschko-Stolz (Österreich): Die Silbermedaillen-Gewinnerin von Sotschi reiste als Gold-Favoritin nach Südkorea – und das nach monatelanger Verletzungspause und einer Knie-Operation im November! Vor vier Jahren hielt sie sich mit russlandkritischen Äußerungen zurück, äußerte aber gegenüber L-MAG Online die Hoffnung, „dass die Olympischen Spiele viel Positives zu den Entwicklungen in diesem Land beitragen, damit sich in Sachen Menschenrecht einiges verändert.“ In dem Interview, das sie uns damals während der Spiele gab, erzählte uns die Steiermärkerin (34), die sich 2013 mit ihrer Frau Isabel verpartnerte, dass sie immer ihren Ehering trage, „bei jedem Training, Interview und Sprung. Der Ring gibt mir Halt, Vertrauen und Stärke. Außerdem erinnert er mich immer wieder an den glücklichsten Tag meines Lebens.“

Bob:

Sophie Vercruyssen (Belgien): Die Anschieberin (25) im Zweierbob erregte am Freitag Aufmerksamkeit, als sie auf Instagram ihrer Lebensgefährtin Lore Simons zum 5-jährigen Jahrestag gratulierte. Auf Nachfrage der belgischen Webseite ZiZo sagte sie aber: „Meine Beziehung ist seit fünf Jahren kein Geheimnis, also kann man das nicht als Coming Out bezeichnen.“ Die frühere Basketballerin kam erst 2014 zum Bobfahren und wurde 2016 Vize-Europameisterin – 2018 könnte dann eine olympische Medaille dran sein!

Skilanglauf:

Barbara Jezeršek (Australien): Bei den beiden letzten Winterspielen trat die Crosscountry-Läuferin noch für ihr Heimatland Slowenien an, in diesem Jahr startet sie unter australischer Flagge. Beim heutigen 15 km-Skiathlon landete die 31-Jährige abgeschlagen auf Platz 39, aber sie hat ja noch zwei Wettkämpfe vor sich. „In einigen Sportarten ist es noch ein Tabu, und [ein Coming Out ] ist hart, auch wenn wir in einer offeneren Welt leben“, sagte sie 2014 der LGBT-Webseite Outsports. „Am Ende des Tages geht’s um den Sport, den wir mit großer Leidenschaft betreiben. Aber wenn wir es mit unseren Partnern teilen können, ist das noch besser.“

Auf ihren Start verzichten musste leider die Skicross-Läuferin Georgia Simmerling (Kanada). Die Ausnahmesportlerin (28) – sie trat schon in drei Sportarten bei Olympischen Spielen an und gewann in Rio 2016 Bronze im Bahnrennfahren – brach sich im Januar bei einem Sturz gleich beide Beine. Schade: Simmerling, die mit Stephanie Labbé, Torfrau des kanadischen Fußballnationalteams, liiert ist, galt als Mitfavoritin und wäre dann der erst sechste Mensch mit Medaillen bei Sommer- und Winterspielen gewesen!

Und die Männer:

Bei den Männern ist der Freestyle-Skier Gus Kenworthy (USA) das wohl bekannteste Gesicht. Der Silbermedaillist von Sotschi 2014, der sich 2015 als schwul outete, ist der Posterboy des US-Teams und ergatterte etliche Werbeverträge.

Im Eiskunstlauf treten drei schwule Sportler an: Der kanadische Paarläufer Eric Radford, der in Sotschi 2014 mit Meagan Duhamel Silber gewann, outete sich einige Monate später als erster aktiver Weltklasse-Eiskunstläufer. Im letzten Sommer verlobte sich der zweifache Weltmeister (2015/ 2016) mit dem spanischen Eistänzer Luis Fenero.

Der zweifache Junioren-Weltmeister Adam Rippon (USA), der im „reifen“ Alter von 28 Jahren sein Olympia-Debüt gibt, outete sich 2015 im Fachblatt Skating, und der jüngste Neuzugang im Regenbogen-Team ist Jorik Hendrickx (Belgien): Der zweifache belgische Meister, der in Sotschi auf Platz 16 landete, erzählte im Januar der Webseite ZiZo, dass er schwul ist.

Hier weiterlesen: "Lesbische Sportlerinnen in Rio 2016" - Teil 1 und Teil 2

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