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DVD-Tipp „Nina“: Subtiles Dreiecksdrama aus Polen

23.4.2019 - Ein Hetero-Ehepaar mit unerfülltem Kinderwunsch will die lesbische Magda als Leihmutter gewinnen. Es kommt, wie es kommen muss: Zwischen den zwei Frauen beginnt es zu knistern. Jetzt auf DVD.

Von Anja Kümmel

23.4.2019 - Welcher Ort wäre geeigneter, um das Thema Leihmutterschaft anzusprechen, als das Innere einer gigantischen Gebärmutter? Doch selbst während dieser visuell beeindruckenden Schlüsselszene, in der Nina (Julia Kijowska) und Magda (Eliza Rycembel) in einer Uterus-Kunstinstallation liegen, belassen es die beiden Hauptfiguren bei Andeutungen.

Erklärt wird in Olga Chajdas‘ Langfilmdebüt überhaupt sehr wenig; vielmehr erschließen sich die Innenwelten ihrer Figuren und ihre Beziehungen zueinander erst nach und nach, in expressionistisch verkanteten Einstellungen, Ungesagtem und vieldeutigen Blicken.

Innerlich zerrissen, zumindest aber ziemlich zerstreut, wirkt die titelgebende Mittdreißigerin Nina von Anfang an. Was dazu führt, dass sie in einem abwesenden Moment den Wagen der jungen Sicherheitsbeamtin Magda rammt. Praktischerweise besitzt ihr Mann Wojtek (Andrzej Konopka) eine Autowerkstatt in der Nähe.

Magda ist lesbisch, wovon das Ehepaar noch nichts ahnt

Nach dieser Zufallsbegegnung kommt das gut situierte, aber ziemlich eingefahrene Ehepaar schnell überein, dass die attraktive Magda die Leihmutter für ihr gemeinsames Kind werden soll. Problem Nummer eins: Magda weiß noch nichts von ihrem Glück. Problem Nummer zwei: Magda ist lesbisch, wovon wiederum das Ehepaar (dem im Idealfall ein flotter Dreier vorschwebt), nichts ahnt.

Nachdem ein von Wojtek etwas zu minutiös durchgeplantes Abendessen mit Magdas Flucht und einem weiteren Autounfall endet, soll nun Nina der jungen Frau das Babywunsch-Anliegen behutsam näher bringen. Es kommt, wie es kommen muss: Während sich alle Parteien umtänzeln, beginnt es zwischen Nina und Magda heftig zu knistern.

Tief empfundene Sehnsucht nach echter Nähe

Eine unwahrscheinliche Konstellation, mag man zunächst denken: Hier die unterkühlte Französischlehrerin aus gutem Haus, da die freiheitsliebende Göre, die jede Nacht eine andere vernascht und nicht mal eine Zimmerpflanze am Leben erhalten kann. Tatsächlich nimmt man den beiden Frauen die jäh erwachte Liebe zueinander nicht unbedingt ab – wohl aber eine tief empfundene Sehnsucht nach echter Nähe und etwas, das ihrem Leben Sinn gibt.

Der Plot wirkt mitunter recht kolportagehaft, doch retten die dramaturgischen Interpretationsspielräume und die facettenreiche Darstellung der drei Hauptakteure den Film immer wieder aus der Kitsch-Falle.

Auf bildsprachlicher Ebene ist Nina ohnehin ein Fest: Subtil arbeitet die Kamera mit Spiegelungen, Überblendungen und Verschiebungen zwischen Vorder- und Hintergrund, die dem Geschehen immer wieder neue Nuancen hinzufügen. Das gedämpft-rötliche Pulsieren aus dem Inneren der Gebärmutter-Installation setzt sich fort in Chajdas‘ schummrig beleuchteten Innenräumen, im Kontrast zum harten Grau-in-Grau der Straßenszenen.

Einblick in die polnische Gesellschaft

Eher nebenbei zeigt sich das Repressive der polnischen Gesellschaft: Die Misere vieler Menschen, die in dysfunktionalen Ehen feststecken, und der unterschwellig omnipräsente Einfluss der katholischen Kirche. Auffällig ist auch, dass die Lesbenparties, zu denen Magda Nina mitnimmt, allesamt in Privaträumen stattfinden.

Ein Happy End scheint noch nicht in Sicht – zumindest jedoch hat die Titelfigur ein Fenster aufgestoßen, das über die (scheinbare) Unausweichlichkeit heteronormativer Zwänge hinausweist.

Nina (Polen 2018), Regie: Olga Chajdas, mit: Julia Kijowska, Eliza Rycembel, Andrzej Konopka, u. a., 130 Min., OmU, DVD (Edition Salzgeber)

 

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