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Rechtspopulismus ist normal geworden - Transgender ausgegrenzter als Homosexuelle

28.4.2019 - Eine neue Befragung zeigt: Rechtspopulistische Einstellungen sind in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Die Ablehnung von Lesben und Schwulen ist zwar gesunken, unter Jüngeren aber überraschend hoch. Weniger Akzeptanz gibt es gegenüber Transmenschen.

Von Karin Schupp

28.4.2019 - Wie die Mitte der Gesellschaft denkt, ist wichtig für die Stabilität unserer Demokratie – und insofern klingt „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände“, die Überschrift einer neuen Befragung, schon mal alarmierend. Für die so genannte "Mitte-Studie" Ende 2018 und Anfang 2019 knapp 2000 Deutsche zu ihren Einstellungen gegenüber unserer Regierungsform sowie gegenüber Asylbewerbern, Immigranten, Behinderten, Frauen, Obdachlosen, Muslims, Sinti und Roma, Juden, Homosexuellen und Trans-Menschen befragt, also zu „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“, wie das im Wissenschaftsjargon heißt.

Die gute Nachricht zuerst: Unsere Demokratie steht auf festen Füßen. 86 Prozent halten es beruhigenderweise für „unerlässlich, dass Deutschland demokratisch regiert wird“, 93 Prozent stimmen zu, dass „Würde und Gleichheit aller an erster Stelle stehen“ sollten, und immerhin 65 Prozent finden: „Die deutsche Demokratie funktioniert im Großen und Ganzen ganz gut.“

Ermutigend ist auch, dass die Zustimmungswerte für rechtsextremistische Aussagen – vor allem im Osten - gesunken sind: Ein geschlossen rechtsextremes Weltbild wurde sowohl im Osten wie im Westen nur bei 2,4 Prozent der Befragten gemessen.

"Die Mitte verliert ihren Kompass"

Besorgniserregender ist aber etwas anderes: Die Ergebnisse verweisen auf eine gespaltene Gesellschaft. „Die schlechte Nachricht: Rechtspopulistische Einstellungen sind stabil, und das heißt: Sie sind in der Mitte normaler geworden. Ein Drittel äußert zugleich auch nicht-liberale Einstellungen zur Demokratie, stellt gleiche Rechte für alle infrage“ sagte Beate Küpper, Professorin und Mitautorin der „Mitte-Studie“, gegenüber dem ZDF und erklärte im taz-Interview: "Die Mitte verliert ihren Kompass. Normalerweise hat sie die Funktion, gesellschaftliche Konflikte auszutragen und einzuhegen. Nun aber rückt sie selbst an den rechten Rand."

Vorbehalte gibt es vor allem gegenüber Geflüchteten – und das trotz entspannter Lage: Über die Hälfte der Deutschen (52,9 Prozent) lehnen Asylsuchende ab und glauben etwa, dass die meisten von ihnen in ihrer Heimat gar nicht verfolgt würden. Als fremdenfeindlich gelten 18,7 Prozent, als muslimfeindlich 20 Prozent.

Knapp jede/r Zehnte ist homophob

Einen besseren Stand haben aktuell Lesben und Schwule, deren Akzeptanz deutlich gestiegen ist. Während 2005 noch jede/r Fünfte klar homophob eingestellt war, halten 2019 nur noch 9,6 Prozent Homosexualität für „unmoralisch“ und finden es „ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen“.

Frauen sind hier offener als Männer (11,3 vs. 8 Prozent), und die Akzeptanz wächst mit dem Bildungsstand: Bei höher Gebildeten liegt der Homophoben-Anteil bei nur 3,3 Prozent.

Überraschend ist hingegen, dass sich die Jüngere (16-30 Jahre) nicht von den Älteren (>60 J.) unterscheiden: Hier wie dort sind jeweils 13 Prozent klar homophob, während sich die Altersgruppe 31-60 Jahre mit 6 Prozent als die toleranteste entpuppt.

Transphob sind vor allem Männer, Ältere und gering Gebildete

Mehr Vorbehalte gibt es gegenüber Transgender: 13 Prozent bejahen Aussagen, die Transmenschen abwerten: Sie finden, dass sie „nicht so auffallen“ sollten und halten es für „albern, wenn ein Mann lieber eine Frau sein will oder umgekehrt, eine Frau lieber ein Mann.“

Die meisten Transphoben finden sich unter den Männern (17 Prozent), niedrig Gebildeten (18,9 Prozent) und über 60-Jährigen (19,8 Prozent). Bei den Jüngeren sind es auch hier mehr als in der mittleren Altersgruppe (11,6 vs. 9,2 Prozent).

Gestiegene Akzeptanz gibt keinen Grund zur Beruhigung

Auch wenn Homo- und Transphobie mittlerweile weniger Ablehnung erfahren, bedeutet das dennoch nicht, dass man in Deutschland keine Diskriminierungserfahrungen mehr machen kann – und auch nicht, dass wir aus dem Fokus der Rechten gerückt sind. Dass der gesellschaftliche Konsens sich zurzeit auf andere, nämlich „Ausländer“ und vor allem Geflüchtete, eingeschossen hat, kann kein Anlass zur Freude oder Beruhigung sein: Der wieder gestiegene Antisemitismus, den die Studie feststellt, zeigt, dass Akzeptanz einer Minderheit nicht von Dauer sein muss.

Die Studie „Verlorene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19“ (hier als PDF) wird seit 2002 von der Universität Bielefeld durchgeführt, zurzeit wird sie von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung finanziert.

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