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Kino-Tipp: "Carmen & Lola" - Lesbische Lovestory in einer Machokultur

9.5.2019 - Nah, unverstellt und authentisch: „Carmen & Lola“ erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Frauen, die in einer spanischen Roma-Community aufwachsen und eigentlich einen Mann heiraten und viele Kinder kriegen sollen. Jetzt im Kino.

Von Paula Lochte

9.5.2019 - Carmen sitzt auf dem Bett ihres Jugendzimmers am Stadtrand von Madrid. Die 17-Jährige trägt ein mit Pailletten besetztes enges Kleid, ein Diadem und Ohrringe, die so groß wie ihr Kopf sind. Sie ist kurz davor, alles zu erreichen, was sie sich im Leben vorgenommen hat: Gleich wird sie sich mit einem Roma-Jungen verloben, den sie schon ein paar Mal getroffen hat und ganz süß findet. Wirklich glücklich sieht sie trotzdem nicht aus.

Gar nicht begeistert von der Verlobung ist Lola (Zaira Romero), die Cousine von Carmens zukünftigem Ehemann. Als sie Carmen (Rosy Rodríguez) kurz zuvor zum ersten Mal sah, war sie sofort hin und weg. Auf dem Markt, auf dem die Eltern der beiden jungen Frauen arbeiten und sie ständig aushelfen müssen, kam Carmen im strömenden Regen angerannt und fragte Lola nach einer Plastikplane für den Marktstand. Breites Lächeln, große Brüste, selbstbewusstes Auftreten – Carmen ist das „schönste Mädchen der Welt“, sagt Lola zu ihrer besten Freundin.

Aus heimlichen Zigaretten werden heimliche Küsse

Bald treffen sich die Teenagerinnen regelmäßig, um heimlich eine zu rauchen. Aber dass mehr zwischen ihnen sein könnte als Freundschaft, findet die schöne Carmen einen „ekelerregenden“ Gedanken. Zunächst. Wie sich die beiden dann doch langsam näherkommen und aus heimlichen Zigaretten heimliche Küsse werden, dafür findet die baskische Regisseurin Arantxa Echevarría so schöne wie ungewöhnliche Bilder.

Ihr "erstes Mal" - Schlüsselszene so vieler Filme über das Erwachsenwerden - zeigt sie nicht, indem sich die beiden gegenseitig ausziehen. Stattdessen sehen die Zuschauerinnen, wie Lola Carmen nach dem Sex liebevoll wieder anzieht.

Bei uns läuft der Film - anders als hier im Trailer - mit deutschen Untertiteln

 

Laiendarstellerinnen mit großer Überzeugungskraft

Die Kamera ist ganz nah an den Protagonistinnen. Wenn Lola nur noch Carmen sieht, verschwimmt auch für das Publikum die Umgebung. Und in zerbrochenen Scheiben sehen auch die Zuschauerinnen den Umriss eines Vogels; genau wie Lola, die später Vogelkunde studieren will, obwohl ihr Vater nicht versteht, wozu sie überhaupt Abitur machen will.

Die Nähe zu den Figuren entsteht auch dadurch, dass in Carmen & Lola fast ausschließlich Laien mitspielen – darunter die beiden Hauptdarstellerinnen. Sie alle spielen mit einer solchen Überzeugungskraft, dass der Spielfilm fast wie ein Dokumentarfilm wirkt. Dazu tragen auch die genau nachgezeichneten Rituale, Lieder und Tänze der spanischen Roma-Community bei.

Abgrund oder Happy End?

Wie so viele lesbische Liebesfilme steuert Carmen & Lola mit jeder Minute auf einen Abgrund zu: Ein homosexuelles Liebespaar in einer Machokultur, in der die Männer, wenn sie nicht weiterwissen, die Hand gegen ihre Frauen und Kinder erheben, und die Frauen ihren Töchtern beibringen, wie sie eine gute Ehefrau werden – wie soll das gut gehen? Dazu die mehrfache Diskriminierung als Frau, lesbische Frau und Roma-Frau.

Doch wer die Inspiration für den Film kennt, hält das Warten auf den unvermeidlichen Zusammenstoß besser aus. Echevarría, die dafür unter anderem den spanischen Filmpreis Goya als Beste Nachwuchsregisseurin erhielt, las 2009 einen Zeitungsartikel über zwei Lesben mit den anonymisierten Namen Rosario und Sara: eine Roma-Frau und eine Frau mit Gehbehinderung aus einem ärmlichen Viertel bei Granada wurden von ihren Nachbarn und ihrer Familie wegen ihrer Beziehung angefeindet und haben trotzdem geheiratet.

Carmen & Lola (Spanien 2018); Regie & Drehbuch: Arantxa Echevarría; mit Zaira Romero, Rosy Rodriguez, Moreno Borja, Rafela León, Carolina Yuste u.a.; 103 Min., spanisch mit deutschen Untertiteln, Kinostart: 9. Mai

 

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