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Filmtipp: „L Bomb“ – Große Liebe, fliegende Truthähne und ein verhindertes Coming Out

8.7.2020 - In der Komödie „L Bomb“ der queeren Regisseurin Jenna Laurenzo bringt eine Schranklesbe zu Thanksgiving ihre Freundin mit, aber ihr geplantes Coming Out bei der Familie versinkt schnell in romantisch-lustigem Chaos. Jetzt im Kino, auf DVD und als VoD.

Von Paula Lochte

8.7.2020 - Die Bombe sollte vor dem Truthahn platzen. Das war der Plan. Doch als Lauren sich gerade zu einem stotternden „Mama, Papa, ich will euch was sagen …“ durchringt, klingelt es an der Haustür. Vor ihrem Elternhaus steht ihr Mitbewohner. Seine Thanksgiving-Pläne haben sich zerschlagen, also kreuzt er ausgerechnet in dem Moment auf, in dem Schranklesbe Lauren (gespielt von Jenna Laurenzo, die auch Regie führte) ihr Coming Out versucht.

Die Mutter (Deirdre O’Connell) blickt vom Mitbewohner (Brandon Micheal Hall) zu ihrer nervösen Tochter und lächelt wissend: „Ihr seid ein Paar!“ Abstreiten zwecklos. Es ist das erste von vielen Missverständnissen an diesem Abend.

Die Großeltern kramen vorsorglich ihren Rosenkranz raus

Denn wenig später taucht Laurens vermeintlich beste Freundin Hailey (Caitlin Mehner) auf. Seit sechs Monaten sind die beiden ein Paar. Doch weil die Familie weiterhin im Dunkeln tappt, versucht Laurens Bruder sich an Hailey ranzuschmeißen. Nur die Großeltern (Schauspielgrößen Cloris Leachman und Bruce Dern) ahnen etwas und kramen vorsorglich ihren Rosenkranz raus, während der Rest der Familie eintrudelt und das Festessen endgültig im Chaos versinkt.

L Bomb bietet alles, was eine romantische Komödie ausmacht: die große Liebe, eine schräge Familie und allerlei dramatische Verwicklungen und Hindernisse auf dem Weg zum Happy End. Aber - und das ist entscheidend - der Film bricht mit dem heteronormativen Erbe des Genres: Hier läuft kein modernes Aschenputtel ihrem Prinzen hinterher. Gleichzeitig flackert mit L Bomb erfrischenderweise endlich mal wieder ein Lesbenfilm über die Bildschirme, in dem nicht verstoßen, verzweifelt und gestorben wird. Für L Bomb braucht man keine Packung Taschentücher – höchstens für die Lachtränen.

Lesbische Komödie für ein breites Publikum

Zu verdanken haben wir das Jenna Laurenzo. Sie spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Sechs Jahre lang spukte die Idee in ihrem Kopf herum: ein lesbischer Mainstream-Film, der Homosexuelle wie Heterosexuelle an ihre eigenen Erlebnisse bei Familienessen erinnert und so ein breites Publikum erreicht.

Obwohl L Bomb Laurenzos erster Spielfilm ist, konnte sie namhafte Schauspieler und Schauspielerinnen für sich gewinnen – und als Produzenten Bobby Farrelly, Regisseur von Hollywoodkomödien wie Verrückt nach Mary (1998).

Kennengelernt hatten sich die beiden auf einem Filmfestival, wo Laurenzo ihren Kurzfilm Girl Night Stand (hier auf Youtube) vorstellte. Der neun Minuten lange Film war so etwas wie ihr Bewerbungsvideo: Er zeigt den Humor und quasi die Vorgeschichte von L Bomb, nämlich wie Lauren zum ersten Mal mit einer Frau im Bett landet und dabei mit sehr viel Charme in alle vorstellbaren Fettnäpfchen tritt. Über zehn Millionen Klicks hat das Video auf Youtube mittlerweile (und ist auch für all jene etwas, denen L Bomb zu amerikanisch-zugeknöpft ist).

Gedreht wurde auch in Laurenzos Elternhaus

Also begannen wenig später die Dreharbeiten für die Low-Budget-Komödie. Nur 15 Tage waren dafür angesetzt. „Ich war schon froh, wenn wir eine Szene zweimal gedreht haben“, sagte Laurenzo der US-amerikanischen Lesbenzeitschrift GO Magazine.

Einer der Drehorte war ihr eigenes Elternhaus, und tatsächlich verarbeitet Laurenzo mit L Bomb ihre eigene Coming Out-Geschichte, wie sie dem GO Magazine erzählte: „Laurens Gefühlschaos war ziemlich genau meines – nur hat es bei mir mehrere Jahre gedauert, mich da durchzuarbeiten, nicht 48 Stunden.“ Auch die Figuren sind von ihrer eigenen Familie inspiriert. Ihre echte Oma habe allerdings noch nie jemanden mit einem Truthahn beworfen.

L Bomb (OT: Lez Bomb, USA 2018); Regie/ Drehbuch: Jenna Laurenzo; mit: J. Laurenzo, Caitlin Mehner, Brandon Micheal Hall u.a.; ca. 90 Minuten; Englisch mit deutschen Untertiteln; Kinostart: 10. Juli, zeitgleich auf DVD und als Video-on-Demand bei Pro-Fun

 

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