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Fußball-WM: Homosexualität ist „geistiger Schaden“, sagt WM-Botschafter aus Katar

9.11.2022 - Nach homophoben Äußerungen eines katarischen WM-Botschafters hagelt es Kritik aus Politik und Sport. Der LSVD fordert eine Reisewarnung und einen diplomatischen Boykott der Regierung. Der DFB widerspricht dem FIFA-Aufruf zu einer unpolitischen WM.

9.11.2022, red. - Für einen „geistigen Schaden“ hält einer der WM-Botschafter Katars, Ex-Fußballnationalspieler Khalid Salman, Homosexualität. In der ZDF-Doku Geheimsache Katar, die gestern im Fernsehen lief, sagte das Mitglied des WM-Organisationskomitees: „Während der WM werden viele Dinge hier ins Land kommen. Lass uns über Schwule reden. Das Wichtigste ist doch: Jeder wird akzeptieren, dass sie hierher kommen. Aber sie werden unsere Regeln akzeptieren müssen.“ Er habe vor allem ein Problem damit, wenn Kinder Schwule sähen, denn für ihn sei Schwulsein „haram, eine Sünde“, sagte Salman. Das Interview wurde daraufhin durch den Pressesprecher des WM-Organisationskomitees abgebrochen.

LSVD fordert „diplomatischen Boykott“

Deutschlands Lesben- und Schwulenverband LSVD forderte umgehend Konsequenzen und rief nicht nur die Fußball-Fans zum WM-Boykott auf, sondern forderte auch die Bundesregierung auf, das Turnier diplomatisch zu boykottieren und alle offiziellen Reisen während und zur WM in Katar abzusagen. „Gleichzeitig erwarten wir vom Auswärtigen Amt, eine explizite Reisewarnung für alle Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) auszusprechen“, erklärte LSVD-Vorstandsmitglied Alfonso Pantisano. Für einen Boykott sprach sich bereits im Oktober auch der LGBTQ-Beauftragte des DFB, Christian Rudolph, im L-MAG-Interview aus.

Innenministerin Faeser vertraut Katars Sicherheitsgarantie

„Solche Aussagen sind schrecklich“, zitiert sport.de die Bundesinnen- und Sportministerin Nancy Faeser (SPD). „Und das ist auch der Grund, warum wir daran arbeiten, die Dinge in Katar in Zukunft hoffentlich zu verbessern.“ Die SPD-Politikerin, die zum ersten deutschen Spiel am 23. November anreisen will, vertraue aber weiterhin auf die Sicherheitsgarantie „für alle Menschen, egal woher sie kommen, wen sie lieben und woran sie glauben“, die ihr bei ihrem Besuch in Katar die letzte Woche gegeben wurde.

Deren Einhaltung mahnte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) an und erklärte: „Homosexualität ist keine Krankheit. Wer die Welt zu einem Sportfest einlädt, der sollte dies längst eingesehen haben.“

Während sich Faeser in der Welt am Sonntag gegen einen Fernsehboykott des Turniers aussprach, rief der Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann (B90/ Die Grünen), dazu auf, die WM komplett zu boykottieren: „Diese WM ist eine Farce – und darf kein Erfolg für Katar oder die FIFA werden. Dafür können wir alle sorgen: nicht anschauen, nicht hinfahren, kein Merchandise kaufen“, schrieb er auf Twitter.

Leon Goretzka: „Absolut inakzeptabel“

Auch aus dem Fußball wurde deutlich Kritik an Salman Äußerung laut. „Das ist schon sehr beklemmend, muss man sagen. Das ist einfach ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend“, sagte Nationalspieler Leon Goretzka (FC Bayern) nach dem gestrigen Spiel gegen Werder Bremen. „Das ist nicht das, wofür wir stehen wollen und was wir vorleben. Es ist absolut inakzeptabel, so eine Aussage zu treffen.“

Als „inakzeptabel“ bezeichnete auch Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic die Aussage, stieg aber auf die Bremse, was die Sponsorenbeziehungs seines Vereins zu Katar angeht. „Das ist die Aussage einer einzelnen Person. Darüber müssen wir reden, klar. Aber das ist erst mal eine einzelne Person“, sagte er.

„Eine sexuelle Orientierung mit einer Geisteskrankheit gleichzusetzen, das ist weit weg von jeder Vorstellung, die wir hier in unserem kulturellen Kreis haben“, sagte Alexander Wehrle, schwuler Vorstandschef des VfB Stuttgart dem TV-Sender Sky und forderte die Ethikkommission der FIFA zum Eingreifen auf.

DFB bekennt sich zu „Vielfalt und Toleranz“

Das verlangte auch DFB-Chef Bernd Neuendorf, der nach einem Telefonat mit dem schwulen Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger in einem Statement schrieb: „Die Entgleisung des WM-Botschafters ist völlig indiskutabel und macht uns fassungslos. Die Äußerung diskreditiert die gesamte LGBTIQ-Community und offenbart ein überaus problematisches Verhältnis zu den Menschenrechten. Aus unserer Sicht sollte die FIFA ernsthaft prüfen, ob sich hiermit nicht die Ethik-Kommission des Weltfußballverbandes befassen muss.“

Der DFB hatte bereits am Montag auf einen Brief der FIFA reagiert, der die Teilnehmerländer dazu aufrief, nicht zuzulassen, „dass der Fußball in jeden ideologischen oder politischen Kampf hineingezogen wird, den es gibt.“ Ein mit neun neun weiteren europäischen Fußballverbänden abgestimmtes Statement betont, „dass das Bekenntnis und Eintreten für Vielfalt und Toleranz auch [heißt], Menschenrechte zu unterstützen. Menschenrechte sind allgemeingültig und überall zutreffend.“

Die Ausrichtung der WM in dem Emirat steht schon lange in der Kritik – zunächst wegen Korruptionsvorwürfen, mittlerweile aber vor allem wegen der Missachtung der Rechten von Frauen, LGBTQ-Personen und Arbeiter:innen aus anderen Ländern.

In Katar kann Homosexualität unabhängig vom Geschlecht mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Für Muslim:innen kann nach dem muslimischen Recht der Scharia auch die Todesstrafe verhängt werden.

 

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