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Queer Cinema: Mehr als nichtheterosexuelles Kino

15.1.2023 - Eine neue digitale Plattform zum Thema „Queer Cinema“ lässt euch mit Filmbeispielen und Interviewschnipseln in die Geschichte des deutschen queeren Kinos eintauchen. Auch Manuela Kay, L-MAG-Verlegerin und Filmexpertin, kommt hier zu Wort.

Von Karin Schupp

15.1.2023 - Queer ist mehr als ein Sammelbegriff für nichtheterosexuelle Lebensweisen, und Queer Cinema ist mehr als eine lesbische Liebeskomödie oder eine schwule Coming-out-Story. Der Begriff „Queer Cinema“ steht für Filme, die Identitäten und Geschlechternormen herausfordern, eine eigene Ästhetik entwerfen und damit heteronormative Konzepte unterlaufen.

Es ist „mehr als nichtheterosexuelles Kino“, sagt L-MAG-Verlegerin und Autorin Manuela Kay auf Rhizom Filmgeschichte, der digitalen Plattform des DFF (Deutsches Filminstitut & Filmmuseum). „Es ist viel mehr erlaubt, die Figuren dürfen alles sein, die dürfen aus allen Rollen rausfallen. (…) Queer Cinema ist bunter, breiter aufgestellt, experimenteller, erlaubt sich mehr und hat keine Grenzen.“

In mehreren Interview-Clips spricht die Filmexpertin, die viele Jahre für die Berlinale war tätig war und das Berliner Porn Film Festival mitorganisiert, über Queer Cinema im deutschen Kino. Auch Marc Siegel, Professor für Filmwissenschaft mit Forschungschwerpunkt Queer Studies und Experimentalfilm, kommt hier zu Wort, ergänzt durch einen Begleittext der Film- und Videokunstkuratorin, Künstlerin und Dozentin Karin Michalski, die diese Webseite zusammengestellt hat.

Queer Cinema gab's schon vor 100 Jahren

Und es bleibt nicht abstrakt: Zahlreiche Filmanfänge und Szenenbilder laden zum Entdecken der queeren Filmgeschichte ein - von Faraz Shariats preisgekröntem Drama Futur Drei (2020) und Angelika Levis Dokumentation Mein Leben, Teil 2 (2002/2003) über die 1970er und 1980er Jahre mit Werken von Rainer Werner Fassbinder, Ulrike Ottinger, Elfi Mikesch und Monika Treut bis hin zur Weimarer Republik mit Anders als die anderen (1919) und Mädchen in Uniform (1931). Ja, Queer Cinema existiert schon länger als der Begriff (der erst Anfang der Neunziger aufkam), und schon vor 100 Jahren gab es Produktionen, die viel von dem vorwegnehmen, was man heute darunter versteht.

Aneigung von Räumen, Schauplätzen und Leinwänden

Wieso auch ihr (teilweise) am Berliner Flughafen Tegel gedrehter Underground-Porno Airport (1994) zum Queer Cinema gehört, erklärt Ko-Regisseurin Manuela Kay so: „Wir wollten lesbische Sexualität in Szene setzen (…) und wollten, was im Queer Cinema sehr wichtig ist, uns einen Raum nehmen und nicht im dunklen Keller drehen.“ Und nicht nur die Inbesitznahme von Räumen im Sinne von Schauplätzen gehört für sie zum Queer Cinema, sondern auch, „dass man die Filme im Kino zeigt. Dass sich das Publikum auch große Kinos, Festivals aneignet, dass auf der Berlinale queere Filme laufen, dass auch das Publikum diesen Raum bekommt.“

„Queer Cinema – ‚Counter-Narratives‘ und filmische Experimente“ ist Teil des digitalen DFF-Vermittlungsprojekts „Rhizom Filmgeschichte“, das sich mit der Bedeutung und Gestaltung von Filmanfängen beschäftigt. Die ersten fünf Minuten von (bisher) rund 200 deutschen Filmen können hier sowohl online als auch per Touchscreen im Deutschen Filmmuseum Frankfurt angeklickt werden.

Ergänzend dazu schufen Gastkurator:innen Themenpfade zu bisher unterrepräsentierten Perspektiven der Filmgeschichte. Neben dem Queer Cinema lassen sich auch die Themenpfade „Andere Perspektiven, neue Formen - Filme von Frauen“ (kuratiert von Christine Lang) und „Filmische Geschichte(n) aus der Migrationsgesellschaft“ (kuratiert von Aurora Rodonò und Canan Turan) erkunden.

Hier geht's direkt zum Themenpfad „Queer Cinema“  und hier zur Plattform „rhizom.film“.

 

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