K-Word

K-Word #489: Neues aus der Lesbenwelt

13.1.2023 - Anne Will beendet ihre Talkshow, weltberühmte lesbische Dirigentin kritisiert Cate Blanchetts Rolle als weltberühmte lesbische Dirigentin in „Tár“, Irina Schlauch, queere Fußballerinnen, „High School“, „The Last of Us“ und weitere Serientipps - und mehr!

Von Karin Schupp

13.1.2023 - Für ihre Rolle als weltberühmte lesbische Dirigentin in Tár (Kinostart: 2. März) wurde Cate Blanchett (Carol) am Dienstag mit einem Golden Globe ausgezeichnet (war allerdings wegen Dreharbeiten nicht selbst anwesend) – und es wird sicherlich nicht ihr letzter Preis für ihre herausragende Darstellung bleiben. Eine echte weltberühmte lesbische Dirigentin kritisierte den Film indes als „frauenfeindlich“: „Ich war beleidigt als Frau, ich war beleidigt als Dirigentin, ich war beleidigt als Lesbe“, sagte  Marin Alsop (66), Chef-Dirigentin des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien, der Sunday Times über die Story, in der die Protagonistin in #MeToo-Verdacht gerät. „Es gibt so viele Männer - echte, dokumentierte Männer -, auf denen dieser Film hätte basieren können, aber stattdessen steckt man eine Frau in die Rolle und gibt ihr alle Eigenschaften dieser Männer.“

Anne Will macht Schluss: Wie der NDR heute bekannt gab, wird dDie nach ihr benannte Talkshow (ARD, So, 21:45 Uhr) Ende 2023 eingestellt. Nach 16 Jahren auf dem Moderatorinnensessel verzichtete Will auf eine Vertragsverlängerung und plant stattdessen neue Projekte beim NDR. „2024 ist Neustart angesagt!“, sagt die 56-Jährige in der Pressemitteilung. „Dann ist Zeit für Veränderung, andere Projekte, neue Perspektiven.“ Anne Will ist mit durchschnittlich 3,6 Millionen Zuschauer:innen pro Sendung (2022) die meistgesehene politische Diskussionssendung im deutschen Fernsehen. Hier in K-Word kam Will zuletzt Ende 2019 vor, als sie und ihre damalige Frau Miriam Meckel das Gerücht ihrer Trennung bestätigten.

Wer das Whitney Houston-Biopic I Wanna Dance With Somebody (unsere Filmkritik) gesehen hat, war womöglich ein bisschen enttäuscht, wie diskret die Liebe zwischen dem Popstar (Naomie Ackie) und ihrer Jugendfreundin und späteren Assistentin Robyn Crawford (Nafessa Williams) dargestellt wurde. Aber wie Regisseurin Kasi Lemmons der L.A. Times  erzählte, musste sie sogar ihr einziges Küsschen hart erkämpfen, denn Houstons Familie, die den Film mitproduzierte, hätte es wohl lieber bei einer platonischen Freundschaft belassen. Nicht in die Entscheidung involviert war Crawford, die in ihren Memoiren 2019 erstmals bestätigte (K-Word #325), dass sie ein Paar waren, bis Whitney ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb und ihre Beziehung unter dem Druck ihrer Familie beendete. Wer lieber diese Geschichte sehen will: Lena Waithe erzählt sie in ihrem Netflix-Film Beauty, der als inoffizieller Houston-Biopic gilt (K-Word #462).

Noch verschämter als in I Wanna Dance With Somebody ging’s in Black Panther 2: Wakanda Forever zu: Hier wurde die in der Comicvorlage etablierte Liebe zwischen Ayo (Florence Kasumba) and Aneka (Michaela Coel) nur mit einem zarten Küsschen auf die Stirn ganz am Ende des Films angedeutet. Im kürzlich geleakten Drehbuch war das noch eindeutiger: Hier gibt es eine Szene, in der Ayo Aneka auf die Lippen küsst, und Aneka bezeichnet ihre Freundin als „meine Liebste“. Leider mal wieder ein Beweis dafür, wie schwer sich die großen Filmstudios – in diesem Fall Marvel und Disney – immer noch mit homosexueller Sichtbarkeit tun. Der Film steht ab 1. Feb. bei Disney+.

Die Masar-Peters gehen nach Chicago! Ella Masar zieht mit ihrer Frau, Ex-Fußballnationalspielerin Babett Peter, und Sohn Zykane (2) von Kansas City ostwärts und wird Assistenztrainerin bei den Chicago Red Stars, wo sie früher als Spielerin unter Vertrag war. Die Familie lebt seit letztem Jahr in Masars Heimatland, im Juli heirateten sie dort (K-Word #466). Peter scheint bisher - anders als erhofft - noch keinen Job bei der Frauen-Profiliga NWSL gefunden zu haben.

In der Vorauswahl für den Titel der FIFA-Welttorhüterin des Jahres steht neben Merle Frohms (VfL Wolfsburg) auch Ann-Katrin Berger, die mit ihrer Lebensgefährtin Jess Carter beim FC Chelsea spielt. Zur FIFA-Weltfußballerin 2022 können neben Lena Oberdorf und Alexandra Popp (beide VfL Wolfsburg) unter anderem auch die offen queeren Spielerinnen Debinha (Brasilien), Sam Kerr (Australien) und das Power-Couple Beth Mead (England) und Vivianne Miedema (Niederlande) gewählt werden. Die Abstimmung auf der FIFA-Webseite läuft bis zum 3. Februar, die drei Finalist:innen jeder Kategorie werden Anfang Februar bekanntgegeben.

Ab heute kostenlos bei Amazon Freevee: Die neue queere Serie High School erzählt von der Jugend der lesbischen Pop-Zwillinge Tegan and Sara, gespielt von Railey und Seazynn Gilliland, im kanadischen Calgary und nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die grungiger Neunziger - und zurück in die eigene Teeniezeit (selbst wenn sie vielleicht in einem anderen Jahrzehnt stattfand!) Lest hier unsere Serienkritik. Für den werbefinanzierten Streamingdienst benötigt ihr kein Prime-Abo, aber ein Amazon-Konto.

Weitere neue Serien mit L-Faktor: Am Montag startete beim neuen Streamingdienst Paramount+ die zweite Staffel von iCarly, die  Fortsetzung der gleichnamigen Teenie-Sitcom von 2007. Darin hat die inzwischen erwachsene Titelfigur Carly (Miranda Cosgrove) eine bisexuelle beste Freundin und Mitbewohnerin (Lacy Mosley). 

In der britischen Mystery-Thriller-Serie The Rig – Angriff aus der Tiefe (Amazon Prime) gehört die lesbische Sanitäterin Cat (Rochenda Sandall) zur Crew einer Bohrinsel, die ums Überleben kämpft. In einer weiteren Hauptrolle ist die pansexuelle Schauspielerin Emily Hampshire (Schitt’s Creek) zu sehen.

Ab 13. Januar zeigt Prime Video die zweite und finale Staffel von Hunters über eine Nazi-Rächer-Truppe im New York der 1970er Jahre, die von der lesbischen FBI-Agentin Millie (Jerrika Hinton) gejagt wird.

Zu Sky und WOW kommt am 16. Januar die Serienadaption des Computerspiel-Hits The Last of Us, dessen weibliche Hauptfigur Ellie (Bella Ramsey) lesbisch ist. Die Serie basiert allerdings auf Teil 1 des postapokalyptischen Adventure-Games, also vor ihrem Coming-out, dass erst in Teil 2 thematisiert wird. Immerhin spielt aber bereits Ellies Freundin Riley (Storm Reid) mit, die sie der Spielerweiterung „Left Behind“ küsst. Und auch Bills (Nick Offerman) Lebensgefährte Frank (Murray Bartlett), der im Game nur als verstorben erwähnt wird, taucht in der Verfilmung auf. Hauptdarsteller:in Bella Ramsey (19) hat sich in dieser Woche als nichtbinär geoutet. „Ich glaube, mein Geschlecht war schon immer sehr fließend“, sagte Bella der New York Times. „Geschlechtszuschreibungen mag ich nicht besonders, aber was die Pronomen angeht, ist es mir wirklich völlig egal.“

Während das Princess Charming-Paar Hanna und Jessi (K-Word #469) – die längste intakte Beziehung aus allen Staffeln inklusive der schwulen Version Prince Charming! - noch darüber nachdenkt, seine Hannover-München-Fernbeziehung zu beenden und zusammenziehen, haben’s Irina Schlauch (Princess Charming 2021) und die Podcasterin Ricarda Hofmann bereits getan und sich auch schon bei der Nachbarin vorgestellt - siehe unten! (P.S. Trotz aller Kritik – K-Word #488 – hat das Casting für Staffel 3 letzte Woche begonnen.)

Bereits letzte Ende endete K-Word mit einem Musikvideo von Fletcher, und schon kommt das nächste: „Better Version (of me“) ist ein Duett der lesbischen Sängerin mit Country-Popstar Kelsea Ballerini, das Video zeigt die beiden in (fiktiven) Liebesbeziehungen, Fletchers Loverin wird von Ava Capri  (bekannt als queere Lucy in Love, Victor, Staffel 3) gespielt, Ballerinis Partner von Gavin Leatherwood.

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Weiterlesen: K-Word #488: Neues aus der Lesbenwelt

 

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