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8 lesbische und queere Berlinale-Filme 2024

11.2.2024 - Im Rahmen der Berlinale (15.-25. Feb.) bewerben sich wieder rund 30 queere Spielfilme, Dokumentationen und Kurzfilme um den LGBTQ-Preis Teddy Award. Wir stellen acht lesbische und queere Perlen aus dem Programm vor.

Von Karin Schupp

11.2.2024 - Am Donnerstag ist es wieder soweit: Die Internationalen Filmfestspiele Berlin, besser bekannt als Berlinale, beginnen - und damit der LGBTQ-Filmpreis „Teddy Award“. Zur Wahl stehen 15 Spielfilme, 4 Dokumentationen und 12 Kurzfilme, und nach einigen schwachen Jahren, was Produktionen mit lesbischem Inhalt angeht, hat der Jahrgang 2024 wieder einiges fürs lesbische Publikum zu bieten. Wir stellen acht Perlen aus dem Programm vor.

1) Langue Étrangère (F/ D/ B 2024, Regie: Claire Burger, Buch: C. Burger/ Léa Mysius)

Erste Liebe: Die schüchterne Fanny (Lilith Grasmug) kommt aus Frankreich zu einem Sprachaustausch nach Deutschland und verliebt sich dort in ihre Leipziger Brieffreundin Lena (Josefa Heinsius). Um bei der politisch engagierten Teenagerin punkten zu könnten, erfindet sie sich kurzerhand ein neues Leben und verstrickt sich bald in ihren eigenen Lügen. Die Ko-Drehbuchautorin Léa Mysius schrieb und drehte auch das mystische und in Teilen lesbische Familiendrama The Five Devils (unsere Filmkritik).

Sektion: Wettbewerb

2) All Shall Be Well (Hongkong/ China 2024, Regie/ Buch: Ray Yeung)

Queere Wahlfamilie: Nach dem unerwarteten Tod ihrer Lebensgefährtin Pat (Lin-Lin Li) gerät Angies (Patra Au) geschützte Welt ins Wanken und sie muss um die Wohnung bangen, in der das Paar über dreißig Jahre gelebt hat. Bei ihrem späten Emanzipationsprozess wird sie glücklicherweise von ihrer kleinen Wahlfamilie unterstützt.

Sektion: Panorama

3) Teaches of Peaches (D 2024, Regie: Philipp Fussenegger, Judy Landkammer)

Porträt einer queeren Ikone: Die Doku begleitet die kanadische Musikerin Merrill Nisker, die als Peaches zum queer-feministischen Star wurde, bei ihrer „The Teaches of Peaches Anniversary Tour“ 2022 – aber sie ist mehr als ein reiner Konzertfilm: Dank privatem Archivmaterial können wir die Transformation der Künstlerin von ihren Anfängen im Toronto der 90er Jahre bis zu ihrem Leben heute in Berlin mitverfolgen.

Sektion: Panorama Dokumente

4) Love Lies Bleeding (USA/ GB 2024, Regie/ Buch: Rose Glass)

Romantic Thriller: Lou (Kristen Stewart), Managerin eines Kleinstadt-Fitnessstudios, verliebt sich in die aufstrebende Bodybuilderin Jacky (Katy O’Brian). Doch bald wird das Paar tief ins Netz der brutalen Machenschaften von Lous kriminellem Vater (Ed Harris), einem Waffenschmuggler, hineingezogen. Der in den Achtzigern spielende Film mit zwei queeren Hauptdarstellerinnen ist sexy, aber - Achtung! - auch sehr blutig.

Sektion: Berlinale Special

5) I Saw the TV Glow (USA 2024, Regie/ Buch: Jane Schoenbrun)

Horror-Drama: Der Einzelgänger Owen (Justice Smith) und seine lesbische Klassenkameradin Maddy (Brigette Lundy-Paine, Atypical) befreunden sich über ihre Begeisterung für die (an Buffy angelehnte) Teenie-Dramedyserie The Pink Opaque. Als die unerwartet abgesetzt wird, beginnen für sie die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verschwimmen. Die trans Regisseurin Jane Schoenbrun schrieb das Drehbuch während ihrer Transition und ließ ihre Erfahrungen in Owens Charakter einfließen.

Sektion: Panorama

6) Cicade; Campo (Brasilien 2024, Regie/ Buch: Juliana Rojas)

Le(s)ben auf dem Land: Juliana Rojas (die auch den lesbischen Werwolf-Film Gute Manieren drehte) erzählt zwei Migrationsgeschichten - vom Land in die Stadt und umgekehrt. In Teil 1 zieht eine Landarbeiterin nach São Paulo zu ihrer Schwester, wird Putzfrau und kämpft für bessere Arbeitsbedingungen. In Teil 2 wird’s lesbisch: Flávia (Mirella Façanha) erbt die Farm ihres Vaters und will mit ihrer Frau Mara (Bruna Linzmayer) dort einen Neuanfang starten. Das Paar muss sich den Härten des ländlichen Lebens stellen – und Flavia den Geistern ihrer Vergangenheit.

Sektion: Encounters

7) Ještě nejsem, kým chci být - I’m Not Everything I Want to Be (Tschechien u.a. 2024, Regie: Klára Tasovská)

Eine fotografische Chronistin: In dieser Dokumentation lernen wir die bisexuelle Fotografin Libuše Jarcovjáková kennen, die im Prag der 1970er und 1980er das Nachtleben und die lesbisch- schwule Subkultur dokumentierte. Ihr eigenes bisexuelles Coming-out hatte die heute 71-Jährige erst mit über 30, seit langem lebt sie mit ihrer Partnerin Magda zusammen. Als „echte Lesbe“ sieht sie sich aber nicht, wie sie in einem Interview sagte.

Sektion: Panorama Dokumente

8) Tú me abrasas – Du verbrennst mich (Argentinien/ Spanien 2024, Regie/ Buch: Matías Piñeiro)

Sappho revisited: Der Film adaptiert „Meeresschaum“, ein Kapitel aus Cesare Paveses „Dialoghi con Leucò“ (1947): Am Meeresufer unterhalten sich die antike griechische Dichterin und Lesben-Ikone Sappho und die Nymphe Britomartis über Liebe und Tod. Beide sollen von einer Klippe in den Tod gestürzt sein - Sappho aus Liebeskummer, Britomartis auf der Flucht vor einem Mann. Piñeiro verfrachtet das Gespräch in die Gegenwart und bietet neue Interpretationen an, die über die Mythen um Sappho und Pavese hinausgehen.

Sektion: Encounters

 

Die Berlinale findet vom 15.-25. Feb. 2023 statt, alle Termine und Infos: berlinale.de

Das komplette LGBTQ-Programm des Festivals steht auf der Webseite des Teddy Awards. Die Verleihung des Teddy Awards findet am 23. Feb. in der Berliner Volksbühne statt.

 

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