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Lesbische Omas gesucht: Neue Initiative „Queere Wahlgroßeltern“

10.9.2026 - Ein neues Projekt in Nordrhein-Westfalen bringt queere Eltern und ihre Kinder mit potenziellen queeren Wahlgroßeltern zusammen. Wir unterhielten uns mit der Gründerin Birgit Erhardt.

Von Franziska Schulteß

10.9.2026 - Als Birgit Erhardt vor eineinhalb Jahren in Rente ging, überlegte sie, wie sie ihre freie Zeit nun nutzen wollte. „Ich dachte mir: Mit Kindern was machen wäre doch toll“, erzählt sie L-MAG.

Sie besuchte ein Projekt des Jugendamtes in ihrer Heimatstadt Düsseldorf, das „Leihomas/Leihopas“ mit Familien zusammenbringt. Die „Omas/Opas“ helfen dann zum Beispiel bei der Betreuung der Kinder mit und verbringen mit ihnen Zeit. In dem Projekt fand Erhardt sich aber nicht wieder, da, wie sie sagt, queere Menschen und queere Familien nicht vorkamen.

Sie beschloss, selbst etwas zu starten. Und gründete die „Initiative Queere Wahlgroßeltern für queere Familien in NRW“, kurz QWG. Die Idee: einen Raum schaffen, in dem queere Eltern und ihre Kinder auf potenzielle Wahl-Großeltern – oder auch „Wahl-Tanten/Onkel/Paten*Patinnen“ – treffen können. Sich kennenlernen, beschnuppern, über Ideen, Erwartungen, Bedürfnisse und auch eventuelle Bedenken sprechen.

Kinder werden gemeinsam begleitet

Es wird geschaut: Was braucht die Familie? Was braucht das Großelternteil, wie viel Zeit bringt es mit? Wie ist die räumliche Distanz, wie alt sind die Kinder? „Ziel ist, die Familie wirklich zu erweitern“, erklärt Erhardt. Ähnlich dem Konzept der Co-Elternschaft: Man entscheidet sich gemeinsam dafür, ein Kind zu begleiten, unabhängig davon, mit wem das Kind biologisch verwandt ist.

Erhardt ist 68, war früher bei der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in Nordrhein- Westfalen tätig und arbeitete dann bis zu ihrer Rente beim Queeren Netzwerk NRW. „Gerade meine Generation ist es gewöhnt, dass wir das, was es für uns noch nicht gibt, selber aufbauen“, sagt sie.

Bei der queeren Arcus-Stiftung in Nordrhein- Westfalen hat sie Gelder beantragt, außerdem bekommt sie Unterstützung von verschiedenen hauptamtlichen queeren Trägern wie dem Kölner Rubicon. 

„Nicht immer so leicht, das Familienfass nochmal aufzumachen“

Zum ersten Treffen im April in Düsseldorf kamen sieben Familien mit acht Kindern und fünf potenzielle Wahl-Großeltern. Bedarf bei den Familien sei auf jeden Fall vorhanden, sagt Erhardt. Bei den Älteren waren die Rückmeldungen ebenfalls positiv, wenn auch weniger zahlreich. Sei es, weil das Projekt noch nicht so bekannt ist, oder weil es manchen dann doch zu viel ist, sich auf den Prozess einzulassen.

„In meiner Generation stand Lesben und Schwulen die Möglichkeit, selbst Kinder zu kriegen oder zu adoptieren, noch nicht so offen“, erzählt Erhardt. „Da ist es unter Umständen jetzt nicht ganz leicht, das Familienfass noch mal aufzumachen.“

Kennenlernen beim Speed-Dating Café

Im Oktober soll es in Düsseldorf ein erstes Speed-Dating-Café geben. An verschiedenen Tischen können die Familien und die Kinder mit den potenziellen Großeltern zusammensitzen und zum Beispiel gemeinsam basteln, malen, Waffeln backen – und auf spielerische Weise miteinander in Kontakt kommen.

Was Erhardt noch wichtig ist, zu sagen: Ihre Idee dürfe sehr gerne kopiert werden. Umso mehr Mitstreiter:innen, desto besser. „Es braucht eben nicht nur ein Dorf, um ein Kind aufzuziehen, sondern auch, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen.“

Nächstes Projekt-Café: 12. September 2026, 13–16 Uhr, Rubicon, Rubensstr. 8–10, Köln

queere-wahl-grosseltern-nrw.de 

 

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