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Leuchtturm für die Community: Lesbenwohnprojekt in Berlin

18.10.2026 - In Berlin eröffnete das bundesweit erste Lesbenwohnprojekt mit 74 bezahlbaren Wohnungen. Daneben laden ein Café und ein soziokulturelles Zentrum die gesamte queere Community ein. Wir sprachen mit Geschäftsführerin Jutta Brambach und neuen Bewohnerinnen.

Von Birgit Leiß

18.10.2026 - Die beiden Bewohnerinnen, die vor dem Neubau fröhlich mit ihren Rollstühlen herumkurven, sind superhappy. „Barrierefrei und bezahlbar“ seien ihre Wohnungen. Die Warteliste für die 74 Mietwohnungen, darunter fünf rollstuhlgerechte, war ellenlang. „Vorher habe ich mit meiner Freundin in Kreuzberg gelebt, aber wir konnten uns ja ausrechnen, wie lange wir uns das noch leisten können“, erklärt eine der beiden.

Jutta Brambach, Initiatorin und Geschäftsführerin der RuT gGmbH führt sichtlich stolz durch das Haus in Berlin-Mitte. Ihr Traum von einem Ort für lesbische und queere Sichtbarkeit ist wahr geworden. Viele Jahre lang hat sie zusammen mit anderen dafür gekämpft. Ein Modell für ein selbstbestimmtes und solidarisches Miteinander soll es sein. Ein Haus, das insbesondere – aber nicht nur – queere Menschen mit Behinderung willkommen heißt.

Happy End nach Kompromissen und „Megastress“

Vergessen sind die Kompromisse, die eingegangen werden mussten. So gehört das Haus nicht wie ursprünglich geplant der RuT gGmbH, einer eigens für das Wohnprojekt gegründeten Tochter des seit 1989 bestehenden Vereins Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen (RuT). Vielmehr ist es eine Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), die nun Eigentümerin und Vermieterin ist.

Das Erdgeschoss hat RuT als Generalmieterin übernommen und auch den Ausbau selbst gemacht. „Ein Megastress war das!“, seufzt Brambach: „Noch am Tag vor der Eröffnung liefen hier Handwerker herum.“ Hier, in der untersten Etage, ist der Verein RuT mit seinem breiten Angebot und dem Besuchsdienst „Zeit für dich“ eingezogen. Es gibt Büros und Beratungsräume, außerdem Gruppenräume für Workshops und kleinere Veranstaltungen.

Von Doppelkopf bis Yoga

In einem offenen Bereich mit Tischen und einem Medienboard treffen sich bereits Doppelkopfrunden aus dem Haus. Auch das Lesbenfrühstück findet hier statt. Herzstück des soziokulturellen Zentrums ist der 120 Quadratmeter große barrierefreie Veranstaltungssaal mit Tanzschwingboden. Er ist durch eine Faltwand teilbar und bietet so Raum für vielseitige Nutzungen. Hier trifft sich regelmäßig ein queerer Chor. Er kann aber auch für Seminare, Tanzworkshops, Theaterproben, Yogaunterricht und Ähnliches gemietet werden.

„Ich würde mich freuen, wenn er von vielen genutzt wird“, sagt Brambach: „Einen kleinen Obolus müssen wir nehmen, weil wir ja Miete an die WBM zahlen. Aber der Beitrag wird gestaffelt, je nachdem welche Veranstaltung es ist und wie viel gezahlt werden kann.“

Das sich direkt anschließende Café Krunsch mit authentischer venezolanischer Küche kann für die Verpflegung sorgen und soll darüber hinaus Anziehungspunkt für die Nachbarschaft sein.

Viele 1,5 bis 2-Zimmer-Wohnungen und eine Pflege-WG

In den oberen Etagen wird gewohnt. Es gibt einen Mix aus Ein- bis Vierzimmerwohnungen, wobei der Großteil Eineinhalb- und Zweizimmerwohnungen sind. Das hatten sich die Frauen ausdrücklich gewünscht, damit die Miete langfristig bezahlbar bleibt. In die großen Wohnungen sind zwei Regenbogenfamilien gezogen. Außerdem gibt es eine Pflege-WG mit 8 Plätzen.

Besonders erfreulich: 70 Prozent der Wohnungen sind öffentlich gefördert. Mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS) 100/140 kosten sie ab 7 Euro pro Quadratmeter, mit WBS 180 sind es 9,50 Euro. Die frei finanzierten Wohnungen wurden einkommensabhängig zu Preisen von 11 bis 15,45 Euro pro Quadratmeter vermietet.

„Ich wollte keine WG mit Putzplan, aber gegenseitige Unterstützung“

Katharina stand schon lange auf der Warteliste, hatte aber trotzdem nicht damit gerechnet, dass es klappt. Lust auf Gemeinschaft war für die 60-Jährige der Hauptgrund: „Ich wollte keine WG mit Putzplan, aber gegenseitige Unterstützung im Alltag.“ Ihre 42 Quadratmeter große Eineinhalbzimmerwohnung ist 10 Quadratmeter kleiner und 200 Euro teurer als ihre alte Genossenschaftswohnung. Trotzdem ist sie rundum zufrieden.

Es habe sich in der kurzen Zeit schon eine tolle Gemeinschaft entwickelt. Werkzeuge ausleihen, sich gegenseitig beim Gardinenaufhängen helfen, das funktioniere ganz wunderbar. Bei fast allen gebe es eine große Offenheit und Neugier aufeinander. Ein paar Bewohner:innen wollen gemeinsam Englisch lernen, denn im Haus gibt es auch einige, die kein Deutsch sprechen. Außerdem hat sich eine Kochgruppe gegründet. „Wir haben das erst in meiner Wohnung gemacht, aber dann sind wir in die Pflege-WG gewechselt, dort ist mehr Platz“, erzählt Katharina.

„Wir müssen etwas tun, um unsere Orte zu erhalten“

Dass die Hausgemeinschaft schon so gut zusammengewachsen ist, freut Brambach sehr. „Das ist es, was ich mir gewünscht habe.“ Nun hofft sie, dass die Community diesen Ort als ihren annehmen wird. Nur wenn über die Vermietung der Räume genug Geld eingenommen wird und nur wenn genügend Spenden und Patenschaften zusammenkommen, kann es gelingen, langfristig die Miete zu stemmen. Gerade angesichts der politischen Entwicklung sei es wichtig, möglichst unabhängig von staatlicher Förderung zu sein“, findet Brambach: „Wir müssen etwas tun, um unsere Orte zu erhalten.“

RuT – Rad und Tat Berlin

Berolinastr. 9 a, 10178 Berlin-Mitte

Kontakt: 030 86 20 78 56, wohnprojekt@rut-wohnen.de

rut-wohnen.de

 

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